Maestro in da House (Teil 2)

Hinterlasse einen Kommentar

Ja, so hatte ich mir das eigentlich von Anfang an vorgestellt: Einfach nur Funken ohne nerviges „Einschlafen, Hängenbleiben oder gar Aussteigen“ irgendwelcher Programme oder Schnittstellen am PC. Es war schon eine schöne Wegstrecke, die ich bis zum Erreichen dieses Zustandes zurückgelegt hatte aber es hat sich dann schlussendlich doch gelohnt.

Diese Art des Betriebs eröffnet dem DXer neue Möglichkeiten: Man „sieht“ das jeweilige Band in seiner ganzen Schönheit und erkennt Bandöffnungen sofort; auf 6 Meter beispielsweise ein erheblicher Mehrwert der mir manch schöne Verbindung ins Log brachte noch bevor die Cluster für die Verbreitung der Frequenz und damit den üblichen Hickhack sorgten.

Ist ein Pileup  im Gange erkennt man schnell in welchem Bereich denn gerade gehört wird und seinen Anruf entsprechend platzieren. Das funktioniert ausbreitungstechnisch bedingt natürlich nicht auf allen Bändern, auf den Lowbands jedoch absolut zuverlässig. Mein Länderstand auf diesen Bändern verbesserte sich deshalb in kurzer Zeit auch signifikant.

Aber wo Licht ist gibt es bekanntlich auch Schatten: Mich störte das dauernde „Point&Click“, die Funkerei war plötzlich zu PC-lastig. Klar gewöhnt man sich daran beispielsweise das CW-Tempo mit der Maus und einem Schieberegler einzustellen doch ich vermisste einfach das „klassische“ Userinterface sehr.

Exakt zu diesem Zeitpunkt traf ein Paket aus der Lausitz ein, das ein lange bestelltes Zubehörteil für den 6500 enthielt, den legendären Maestro. Es gab wohl Probleme mit einem Bauteilezulieferer die dazu führten, dass über ein Jahr keine Lieferungen erfolgen konnten, sehr ärgerliche Geschichte.

Die Spannung war nach der langen Wartezeit natürlich entsprechend groß: Die Installation verlief flott und problemlos und das Gesamtwerk stellte sich nun so dar:

Der Maestro kommuniziert mit dem 6500 via LAN (Kabel oder WLAN, Unterschiede bei mir nicht feststellbar).

Funkbetrieb ist also auch ohne PC möglich solange man sich den klassischen Betriebsarten widmet und kein Logbuchprogramm benötigt. Eine wirkliche Klasse für sich ist nun die Bedienbarkeit, das Design der „Frontplatte“ ist wirklich perfekt gelungen.

  • 2 große VFO-Abstimmknöpfe, die Zuordnung (RX/TX) direkt darüber wählbar und farbig hinterleuchtet.
  • Pro VFO ein NF-Regler und ein Regler zur Filterbandbreite/Lage
  • Ein weiterer Regler für CW-Geschwindigkeit (bei SSB Mikrofonvorverstärkung) und Ausgangsleistung.
  • Ein paar (ebenfalls beleuchtete) Taster sowie 3 (6) frei belegbare F-Tasten.
  • Mehr als 50% der Fläche nimmt das sensitive LCD-Panel ein.

Aus meiner Sicht (und wohl auch aus der vieler Senioren) ist Flexradio bei der Bedienung ein ganz großer Wurf gelungen, vom PC aus wurde der 6500 seither nie mehr betrieben. Reduzierung der Bedienelemente auf das wirklich Notwendige, große und wertige Knöpfe, wenige beleuchtete Tasten.

Das Display ist ebenfalls sehr gut gelungen. Das Menu für die vielen Einstellmöglichkeiten ist intuitiv erreichbar und aufgrund der Displaygröße natürlich deutlich „ausführlicher“ Ebenso schnell sind hier Band/Betriebsartenwechsel und Frequenzeingaben über eine Telefontastatur respektabler Größe möglich.

Der Maestro mißt etwa 36 x 17 cm und ist nur 4 cm tief. Der Aufstellwinkel aus Metall ist perfekt für gute Ablesbarkeit und durch die geringe Tiefe ergeben sich völlig neue Möglichkeiten der Aufstellung . In meinem Shack steht der Maestro links von der Tastatur in einem Winkel von etwa 45 Grad. Optimal ablesbar, mit der linken Hand perfekt bedienbar ohne sich vorbeugen zu müssen und durch die geringe Tiefe nicht störend auf dem Stationstisch. Hinten gehen zwei dünne Kabel weg, Stromversorgung und LAN, die werden durch ein Loch im Tisch nach unten geführt. An der rechten Seite die Morsetaste, perfekte Ergonomie ohne große Klimmzüge.

Ich habe die oben beschriebene Combo mittlerweile in einigen Contesten getestet und bin sehr zufrieden. Mein Fazit:

  • Der rx ist ist klasse, im A/B-Vergleich mit meinem K3 kann ich jedoch keine signifikanten Unterschiede feststellen. Beide Empfänger spielen sicherlich in der höchsten Liga. Ich werde demnächst den K3 auf das neue Frontend umrüsten und dann nochmals vergleichen.
  • Das Bedienkonzept ohne Maestro (also mit PC) ist gewöhnungsbedürftig. Man kann sich sicherlich daran gewöhnen, für mich war es jedoch an bestimmten Stellen einfach suboptimal.
  • Das Bedienkonzept mit Maestro ist wirklich außergewöhnlich gut gelungen, hier werden neue Maßstäbe gesetzt.
  • Die Shackintegration (Bandpässe, Endstufen, Tuner, Antennenumschalter, etc) ist mit den USB-Anschlüssen des Flex einzigartig. Einfacher geht es nicht, ein dickes Plus!

Ein paar Bemerkungen zum Thema Remotebetrieb. die Kollegen in W sind über dieses Feature ja regelrecht verzückt. Ich kann das allerdings nicht so recht nachvollziehen. Zum Funken habe ich mein Shack und dabei wird es wohl auch bleiben. Die Vorteile des „Terrassen- oder Esszimmerfunks“ erschliessen sich mir nicht. Vielleicht mal im Sommer zur Bandbeobachtung 6m, aber sonst ?

Ich habe es trotzdem getestet. Maestro via WLAN verbunden, Taste und Kopfhörer am Maestro angesteckt. Hören geht wunderbar, habe keine Unterschiede ausmachen können. Geht man auf Sendung so nervt ein Mithörton, den ich so schlecht lange nirgends mehr gehört habe. Aber gut, man kann damit ohne lags und sonstige Behinderungen cw machen. Ein weiterer Test via UMTS-Stick im Auto funktionierte ebenfalls problemlos. Ich habe meine diesbezüglichen Versuche dann mangels Interesse eingestellt.

In Summe ein wirklich tolles und innovatives Gerät, incl. Maestro allerdings schon fast auf dem Niveau eines TS990, kein ganz preiswertes Vergnügen. Ein wenig verunsichert bin ich allerdings ob einiger Entwicklungspannen, sei es mit dem Maestro oder auch den mittlerweile nicht mehr ganz einfach zu beschaffenden Lüfter im Trx. Hier hat Elecraft ganz klar die Nase vorn.

Advertisements

K1N – Fluch der Karibik?

6 Kommentare

Die Schlacht ist so gut wie geschlagen, das Großereignis 2015 neigt sich dem Ende zu. Navassa, eine kleine Guano-Insel in der Karibik mit großer Vergangenheit wurde erstmals nach 23-jähriger Funkabstinenz unter dem Call K1N in den Äther gebracht.
Für Insider stand das Chaos schon vorher fest, schliesslich taucht Navassa in allen Most-Wanted-Listen als Nr.2 hinter dem Dauerbrenner Nordkorea auf. Trotzdem wurden die hohen Erwartungen noch weit übertroffen: TX5K, FT4TA, EP6T, Großereignisse in jüngster Vergangenheit, verblassten vor den epochalen Pileups denen sich 17 amerikanische Funker in einem alten Leuchtturm mutig entgegenstellten. Die Amateurfunkwelt stand Schlange, man verteilte sich willig nahezu über das gesamte Band, rief stunden- und tagelang, wartete, bangte und hoffte inständig auf den finalen Erfolg – den erlösenden Aufruf des eigenen Calls.

Es war ein wahrlich rauschendes HAM-Fest, leider allerdings auch mit den üblichen negativen Begleitumständen. Alle Cops dieser Welt gaben sich ein Stelldichein; ihre gellenden Trillerpfeifen wurden dezent untermalt vom omnipräsenten Chor der Up-Rufer und den kurzweiligen Einlagen der Psychopathen und Geräuschimitatoren. Für mich fast enttäuschend die geringe Anzahl der sonst üblichen Piraten: Entweder  hing das mit dem Fluch der Karibik zusammen oder sie fanden schlicht kein freies Plätzchen mehr im Chaos auf den Bändern 🙂

 

ein paar einsame Rufer auf 80m

ein paar einsame Rufer auf 80m

 

Vielen ist dabei zurecht das Lachen vergangen: Die Aussenwirkung, die Präsentation unseres Hobbys in der Öffentlichkeit war verheerend, wie gut dass Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft heute nicht mehr Kurzwelle hören. Wie war das noch mal gleich: Ein naturwissenschaftlich geprägter Funkdienst mit hohem Akademikeranteil… Die heutige Gesellschaft benutzt ihre Ellbogen bekanntermaßen rücksichtslos, leider gilt das mittlerweile auch für uns Funker.

Auch für mich war K1N ein „all time new one“ und von daher Pflichtprogramm bis hin zum Schlafentzug und Abfeiern von Überstunden. In Anbetracht meiner bescheidenen Antennenmöglichkeiten entschied ich mich zunächst mal den großen Fischen den Vortritt zu lassen um dann hintenrum, quasi durch die kalte Küche, die begehrteTrophäe einzuheimsen. Es klappte auch ganz gut, am Anfang der 2ten Woche hatte ich früh gegen 02:30h auf 40 das große Glück gehört zu werden und damit war meine Pflicht erfüllt.Die Kür habe ich mir geschenkt, zu groß das Tohuwabohu, zu angespannt die Stimmung, zu aggressiv die Töne in den Clustern. Das ist unser heiliges Hobby, der vielgerühmte HAM-Spirit unsere weltweite Gemeinschaft?

Wie werden wir sie wieder los, die von der ARRL heraufbeschworenen Slot-Geister? Hängt unser Selbstwert den tatsächlich davon ab einen von Vögeln zugesch… Steinhaufen in der Karibik innerhalb 10 Tagen auf allen Bändern in allen Modes gearbeitet zu haben?
Das nächste Großereignis taucht ja bereits hinterm Horizont auf: Bouvet, jetzt nachdem Navassa mit über 125.000 Verbindungen abgefeiert wurde in der pole position. Gibt es wieder ein großen Hauen und Stechen oder kommen wir zur Besinnung? Probate Mittel gab es auch schon in der Vergangenheit: VK0MM hat es im Jahre 2000 vorgemacht und jeden erbarmungslos aus dem Log gelöscht, der einen Doppelanruf tätigte. Sicherlich eine heftige Maßnahme aber wenn sich sonst niemand bemüßigt fühlt die Dinge zu verbessern muss eben der Zweck die Mittel heiligen …

Umbau im Shack

2 Kommentare

Ich habe mir fest vorgenommen 2013 endlich mal meine seit Jahren eingeplanten 6m-Aktivitäten zu beginnen. Schon auf der letzten HAM-Radio wurde eine HB9CV für das Magic Band angeschafft und sobald das Dach wieder vom Schnee befreit ist möchte ich die dann unter der X-50 platziert in die Luft hängen.

Auch die Sache mit dem Trx war nicht ganz einfach: Der K3 scheint ja ohne VV für 6m prinzipbedingt ein wenig hörbehindert zu sein. Eigentlich kein Problem, bei den genialen Patchmöglichkeiten des Amerikaners  kann ich jederzeit einen Vorverstärker in den RX-Zweig einpatchen, der dann auch nur bei 6m-Betrieb zugeschaltet wird. Dummerweise hängt da aber schon mein Perseus, der mir zusammen mit dem Skimmer bei der Suche nach DX behilflich ist.

Irgendwann reifte die Idee es doch mal mit einem Trx zu versuchen, der VHF/UHF/6m bedient; ich landete beim Icom 9100 und empfand ihn (bis auf den Preis) zunächst mal als geeignet. Mehr aus Zufall bin ich dann über den schon etwas betagten Kenwood TS-2000 gestolpert, der ja, verglichen mit dem Icom, geradezu zum Schnäppchenpreis angeboten wird. Der Rx auf 6m/2m/70cm wird als brauchbar bezeichnet solange man nicht die DB6NT-Transverter als Referenz heranzieht; für KW plane ich ihn eh nicht einzusetzen.  Durch den 2ten RX kann ich die OV-Frequenz mitlaufen lassen während ich 6m beobachte, ausserdem bin ich mit dem TS-480 im Funkomobil auch recht zufrieden: Die Entscheidung war gefallen:

IMG_2209

Ein feines Teil das wirklich Spaß macht. Mit zwei externen Lautsprechern (einer für jeden RX) bestückt klingt die NF sehr gut, diese kleinen Brüllwürfel gibt es noch bei Dierking, eine echte Empfehlung! Der eingebaute CW-Keyer reagiert vom Timing her etwas merkwürdig, mich betrifft das aber seit der Umstellung auf Monopaddles nicht mehr. Einzig der eingebaute Lüfter tönt für meinen Geschmack schon ein wenig laut. Verglichen mit dem des K3, der schlicht unhörbar ist, nervt der Kenwood Quirl. Na ja, in cw habe ich eh Kopfhörer auf und beim FM-um-die-Ecke-Telefonieren müssen es keine 100W Ausgangsleistung sein.

Ausserdem gab es noch ein echtes Stück Fortschritt zu besichtigen, in meinem Shack quasi ein Novum: Ein echtes funktionsfähiges Standmikrofon, ein echt stylisches Accessoire 🙂

Keine Sorge, ich falle nicht vom cw-Glauben ab, es ist nur ganz praktisch auf der OV-Frequenz mal beide Hände zur Bedienung des PC’s zur Verfügung zu haben.

Das Shack ist jedenfalls jetzt bereit, die Antenne muß noch warten und dann gehts bald endlich auf 6m los.

CQ WW 160 in CW

1 Kommentar

Die Idee an sich ist ja schon etwas älter: Im November 2010 war ich  zusammen mit Mat (DL5MFL) und Sven (DF9MV) als 6V7Z in Afrika. Die beiden machten mir lange Zähne mit ihren Erzählungen über eine vorzügliche 160m-Antenne auf dem Hügel von DK0IW, der Clubstation des OV C07. Lowbands faszinieren mich; nur 3 Jahre später sollte ich diese einzigartige Antenne mal selbst benutzen dürfen: Während des CQ WW 160 CW war keine OV-Aktivität geplant, auf meine Anfrage stellte man mir die Anlage zur Benutzung während des Contests zur Verfügung. Ham-Spirit gibt es noch, an dieser Stelle einen herzlichen Dank für die erwiesene Gastfreundschaft an den Ortsverband C07!

20130125_165219test

Ein paar historische Details zu dieser Antenne:

Der Antennenmast ist 35m hoch und diente bis 1968 der Bundesanstalt für Flugsicherung als Bake für den Bereich der zivilen Luftfahrt (NDB, non directional beacon oder auch Kreisfunkfeuer) . Om Karl Hille (DL1VU) erfuhr von der Auflassung dieser Anlage, erkannte den Wert für unser Hobby und konnte die Verhandlungen zur vertraglichen Übernahme von Grundstück, Gebäude und Antenne für den Ortsverband C07  zum 1.4.1969 erfolgreich abschliessen. Es sollte noch sieben lange Jahre dauern bis die neue Clubstation am Walmbichl in Betrieb ging.

IMG_2194

Freitag 16.30h: Ich parke das Funkomobil am Fuße des Hügels und es beginnt der beschwerlichste Teil meines Unternehmens, 3 Pelicases mit Funkausrüstung sowie eine Alukiste mit Wasser und Verpflegung müssen hochgeschleppt werden und zwar ohne Materialseilbahn. Sieht auf den ersten Blick harmlos aus hatte es aber durchaus in sich. Ganz spontan  fällt mir  das alte chinesische Sprichwort der Antennenbauergilde ein: „No pain, no gain“

Nicht nur in Afrika sind Pelicases sinnvoll, auch unter winterlichen Bedingungen kann man sicher sein, dass der Inhalt trocken und geschützt bleibt was immer auch passiert. Speziell die PA (Gewicht incl. Case 35 kg) hätte schweißtreibend werden können wenn ich nicht eine Alternative gefunden hätte. Den glatten Deckel nach unten, einen Zurrgurt als Zughilfe und schon konnte ich das schwere Teil wie einen Schlitten hinter mir herziehen. Zusatznutzen: Durch das Gewicht entstand quasi ein geräumter Weg, der weitere Auf/Abstiege deutlich erleichterte.

Mat kam wie verabredet gegen 18.00h, erklärte mir einige Details  der Station und sah noch ein wenig beim Aufbau meines Equipments zu bevor er sich verabschiedete.

20130125_200742

Kurze Zeit später bin ich dann in der Luft und sofort stellt sich ein zufriedenes Grinsen ein: Die Mühe hat sich gelohnt! Sendemässig ist die Resonanz so gut wie perfekt, Abstimmung ist nicht nötig über den gesamten Bereich des Bandes. Auch hören kann ich ganz fantastisch, fast ein wenig zu gut aber das liegt nicht an der Antenne sondern an der Menge der Stationen, die sich an diesem Wochenende auf dem Band versammelt haben um gemeinsam das Lowband-Highlight des Jahres zu feiern: Da wird’s dann durchaus auch mal ein wenig lauter.  Auch sendeseitig zeigen einige Test-Qso’s vor dem Event, dass man mich laut und deutlich aufnehmen kann. Wenn ich diese Show vermassele wird’s für mich  für mich definitiv keine Entschuldigung geben; ausser vielleicht Murphy käme zu Besuch…

IMG_2198

Pünktlich um 22.00h utc beginne ich den diesjährigen „Kampf der Wagen und Gesänge“, das obligatorische Gerangel um die besten Plätze kann ich von hier oben mit der nötigen Gelassenheit verfolgen; sowohl die Antenne als auch die Expert erleichtern die nervenaufreibende erste Stunde ungemein. Ich bin fast ausnahmslos „running“ mit stetigem, nicht abreissenden  Zustrom von Anrufen unterwegs und so ganz allmählich erwärmt sich auch das Shack von anfänglich 3 Grad auf angenehme 19 Grad. Der frühe Morgen vergeht wie im Flug bis mich gegen 04.30h dann doch die Müdigkeit einholt, ein langer Tag im qrl und die Hochschlepperei verlangen ihren Tribut. Pünktlich um 06.00h bin ich wieder auf dem Band und erreiche noch vor der Greyline normale Betriebstemperatur.

Samstag Morgen gegen 08.30h beende ich meine erste Schicht und schliesse die Station um nach Hause zu fahren. Geplant ist ein wenig Schlaf und ein paar häusliche Verrichtungen. Anschliessend schnell noch ein paar Stunden Bettruhe ehe es wieder in Richtung Reichersbeuern geht, meine zweite Runde beginne ich Sonntag um 03.00h früh. Mich erwarten deutlich angehobenere  Bedingungen als noch am Vortag in Richtung Amerika. Die Zeit bis zum Schichtende gegen 09.00h vergeht wie im Flug.

IMG_2196

Letzter Arbeitsbeginn dann Sonntag um 16.00h des, Endspurt ist angesagt. Leider fällt JA für mich mangels Beteiligung aus, dafür finden einige UA9 den Weg ins Log. Die letzten Stunden ziehen sich ein wenig aber da muß man durch. Erst gegen 22.00h beschliesse ich die Aktivität eine Stunde zu früh zu beenden; Abbau, Abtransport und Rückfahrt nach Hause wollen auch noch bewältigt werden und das QRL am Montag lässt dann auch nicht mehr lange auf sich warten.

Im Log stehen 808 Qso’s, 54 DXCC’s und 30 Provinzen, in Summe ergibt das einen Score von 339.948 Punkten. Ich bin mit dem Erreichten zufrieden, gleichwohl gibt es natürlich wie immer Verbesserungspotential für das berühmte „nächste Mal“.

7P8D – Nachtrag

Hinterlasse einen Kommentar

Nachzureichen ist noch der claimed score für den CQ WW DX CW 2012

image

Enttäuschend für uns das recht „dünne“  Log auf 40m, 80 und 160m waren so schlecht wie von den Locals prophezeit.  Wir waren pausenlos running unterwegs mit deutlich mehr Andrang als uns lieb war. Selbst der „kleine“  RIT-Splitbetrieb war schwierig,  die beste Methode war es dem Tumult so lange zuzuhören bis das erste Call komplett im Eingabefeld stand.  In diese Situation bekamen wir einmal mehr vor Augen geführt wie man einen seltenen Vogel zügig arbeiten kann: Nach einer Wartezeit von 3-5 Sekunden einmalig das Call gegeben und man hatte eine gute Chance schnell ins Log zu kommen. 

Angesichts der Tatsache, das wir so gerade eben mit dem Aufbau fertig wurden und keinerlei Aufwärmübungen stattfinden konnten war unser Auftritt durchaus achtbar wobei ein am Ende unserer Aktivität stattfindender CQ WW  natürlich für ein besseres Ergebnis gesorgt hätte.

Gegenüber dem 2011er Contest, den ich ja als m/m in Dänemark bestritten hatte, fehlen satte 4000 Verbindungen. Die Einheimischen hatten es schon immer gewusst, wir Eu’s wollten’s wieder mal nicht glauben: Contesten auf der Südhalbkugel ist schwierig. Die komplette nördliche Hemisphäre richtet nach West bzw. nach Ost aus, kein Mensch denkt an die Handvoll einsamer Telegrafisten in  Afrika, Neuseeland, Australien und Ozeanien.   

Aufgrund einiger Nachfragen noch eine Kostenbetrachtung dieser Aktivität: Der Flug schlug mit €800.- zu Buche, dazu kamen €600.- für Kost, Logis sowie ein wenig Handgeld, unter anderem zum Auslösen meiner Hochseeangel 🙂 

Mein besonderer Dank geht an Roger (ZS6RJ), der uns  mit Sack und Pack vom Flughafen abholte und dort auch wieder abgeliefert hat. Er ließ es sich nicht nehmen uns vor dem Rückflug noch ein typisches Stück Afrika in Form eines Wildreservats zu zeigen um so zumindest etwas Abwechslung in unseren  HAM-Alltag zu bringen.

Nissan 

Na ja, so ein wenig habe ich ihn in Verdacht nur dort hingefahren zu sein um mir, meine Schlangen-Phobie hinterlistig ausnutzend, so ein Monster um den Hals hängen zu können. Aber so weit kam es dann Gottseidank doch nicht.

7P8D – Ein Fazit

3 Kommentare

Seit ein paar Tagen bin ich nun wieder zu Hause, habe mir einen netten Infekt quasi als Souvenir mitgebracht und beginne das Erlebte aufzuarbeiten und zu bewerten.

Die Gruppe: Ein international zusammengewürfelter Haufen; wir kannten uns bislang nicht, kamen noch dazu aus doch recht unterschiedlichen „Kulturkreisen“. Nicht alles lief glatt, es gab Pannen, Defekte, Krankheiten und selbstverständlich auch die eine oder andere Meinugsverschiedenheit. Vieles war mühsam aber schlussendlich haben wir es geschafft und das Ding gemeinsam zu einem guten Ende gebracht. Für mich extrem lehrreich, einige Lektionen in Sachen „cultural exchange“, die durchaus auch mal schwer verdaulich waren. Interessant zu sehen wie „wir Deutschen“ so ankommen wobei natürlich die Frage unbeantwortet bleibt inwieweit unsere DL’s den „typischen“ Deutschen repräsentiert haben. Ob ich’s noch mal machen würde? Ich denke ja, vielleicht etwas weniger blauäugig und mit mehr Skepsis, schlauer ist man hinterher allemal …

DSC00335

Die Antennen: Mein neuer Hex funktionierte  (ebeso wie Rogers) ufb, nach dem Mastdebakel stand er ja nur auf 7m Höhe und das SWR auf 10m litt ein wenig unter diesem Umstand; trotzdem waren wir immer wieder überrascht wie gut dieses Antennenkonzept tatsächlich spielt. Durch das leichte Packmaß und den glücklichen Umstand, einer Hochseeangel wie aus dem Gesicht geschnitten zu sein ist das Hexkonzept geradezu ideal für DX-Peditionen. Auch mit Verticals wie der R7 kann man Qso’s fahren (Exklusivantenne für 30m!) und die alte Lady zeigte, speziell auf 40, dass sie noch lange nicht zum Altmetall gehört.

_DSC2542

Die Technik: Der K3 lief wieder mal problemlos und dürfte einige Freunde gefunden haben. Die mitgebrachten Pa’s litten, wie sich dann schlußendlich herausstellte, unter doch recht extremen Spannungseinbrüchen bis zu 150V. Besonders herauszuheben waren die Experts: Die Netzteile (zertifiziert für 90V – 250V) haben daran wohl einen erheblichen Anteil. Das eine Problem an der 2K stellte war wohl im Bereich der ALC-Kopplung zu suchen und verschwand sofort bei „einfacher“ Kopplung.

Die Ausbreitungsbedingungen: Wir saßen mit offenem Mund vor den Radios und hörten, die Antennen Richtung Nord ausgerichtet,  JA, W und EU zur gleichen Zeit mit identischen Feldstärken. Die DX-Bänder brodelten fast ganztägig, auch nach Einbruch der Dunkelheit war noch lange nicht Schluß. Der Jahreszeit geschuldet war der Betrieb auf den  Lowbands mühsam, die Anzahl der Qsos (160:70 / 80: 274) entsprach nicht unseren Vorstellung; mehr war allerdings trotz heftiger Bemühungen nicht machbar. Die Greyline auf 80 war kurz aber heftig mit Pileups jenseits von Gut und Böse; auf 160 konnte man von einer ausgeprägten GL nicht sprechen, teilweise tauchten Signale für wenige Sekunden aus dem qrn auf um sofort wieder zu verschwinden. Für bessere Ausbeute wären hier Beverages notwendig gewesen, durch die deutliche Limitierung unsere Gepäcks kein ganz einfaches Unterfangen.

Die "Lowbanders" (Jo (DJ3CQ), Chris (DL2MDU), Keith (VE7MID)

Die „Lowbanders“ (Jo (DJ3CQ), Chris (DL2MDU), Keith (VE7MID)

Statistik:

Etwa 32.000 q’s inklusive derer im CQ WW (wir waren als M/2 unterwegs)

Davon 25.000 in CW, 6000 in SSB, der Rest in RTTY

10m:2100 / 12m:6200 / 15m:6400 / 17m:3500 / 20m:3300 / 40m:1100 / 80m:370 / 160m:74 (Zahlen ohne Contest)

Afrika: Wie immer eine Reise wert. Trotz aller Unsicherheiten, Gefahren und Merkwürdigkeiten ist das doch „mein“ Kontinent. Einmal mehr fühlte ich mich dort wohl obwohl meine völlig überzogenen europäischen Ansichten und Werte  auf das Wesentliche reduziert werden mussten.

_DSC2456

Ich habe Elend gesehen und Leute, die herzhaft lachen können, Kontakte geknüpft und Freunde gefunden, wundervolle Natur im Einklang mit völlig zugemüllter Landschaft. Eine Aidsrate von über 70 Prozent und extreme Kriminalität zeugen von einigen ernstzunehmenden Problemen dieses Landes. Man kann nur hoffen dass die Lage am Kap sich zum Guten wenden wird, ich käme gerne nochmal wieder …

7P8D – Wo die Banausen hausen

3 Kommentare

auf vielfachen Wunsch ein kleiner  Bericht über unsere Unterkunft in Lesotho. Der „Roma Trading Post“ wird bereits in dritter Generation von den englischstämmigen Thorns  betrieben und besteht im wesentlichen aus einem rustikalen Supermarkt mit angeschlossenem Park, hier sind mehrere Rundhütten, die Gästen als Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung stehen. Auf Wunsch kann in einem zentralen Guesthouse auch gekocht werde, ausserdem steht ein kleiner Bereich für Zelte zur Verfügung.

Les11

Hier wohnen Chris und ich, das Häuschen ist nicht besonders groß, mit Reet (!!!) gedeckt und recht gemütlich.

Les12

Na ja, viel Platz haben wir nicht aber dafür ein formidables Badezimmerchen mit rosaroten Fliesen und einer alten, englischen Badewanne. Den technologische Höhepunkt unseres schmucken Heims stellt übrigens eine moderne Bettheizung dar die wir zunächst recht verwundert bestaunten. Wir hatten jedoch eine Nacht, in der wir bei 6 Grad zähneklappernd nicht einschlafen konnten und wissen seither dass dieses Utensil hier oben kein Luxus ist.

Les13
Wir kommen prima miteinander klar obwohl wir, wie wir leider feststellen mussten, beide zum sanften Schnarchen neigen. Die Nächte sind kurz, geschlafen wird erst bei drohender Ohnmacht und in der Regel nicht länger als 3 bis 4 Stunden. Nichts für Warmduscher aber auch hier gilt einmal mehr die alte Telegrafistenweisheit: „No pain, no gain!“

Older Entries