Maestro in da House (Teil 2)

Hinterlasse einen Kommentar

Ja, so hatte ich mir das eigentlich von Anfang an vorgestellt: Einfach nur Funken ohne nerviges „Einschlafen, Hängenbleiben oder gar Aussteigen“ irgendwelcher Programme oder Schnittstellen am PC. Es war schon eine schöne Wegstrecke, die ich bis zum Erreichen dieses Zustandes zurückgelegt hatte aber es hat sich dann schlussendlich doch gelohnt.

Diese Art des Betriebs eröffnet dem DXer neue Möglichkeiten: Man „sieht“ das jeweilige Band in seiner ganzen Schönheit und erkennt Bandöffnungen sofort; auf 6 Meter beispielsweise ein erheblicher Mehrwert der mir manch schöne Verbindung ins Log brachte noch bevor die Cluster für die Verbreitung der Frequenz und damit den üblichen Hickhack sorgten.

Ist ein Pileup  im Gange erkennt man schnell in welchem Bereich denn gerade gehört wird und seinen Anruf entsprechend platzieren. Das funktioniert ausbreitungstechnisch bedingt natürlich nicht auf allen Bändern, auf den Lowbands jedoch absolut zuverlässig. Mein Länderstand auf diesen Bändern verbesserte sich deshalb in kurzer Zeit auch signifikant.

Aber wo Licht ist gibt es bekanntlich auch Schatten: Mich störte das dauernde „Point&Click“, die Funkerei war plötzlich zu PC-lastig. Klar gewöhnt man sich daran beispielsweise das CW-Tempo mit der Maus und einem Schieberegler einzustellen doch ich vermisste einfach das „klassische“ Userinterface sehr.

Exakt zu diesem Zeitpunkt traf ein Paket aus der Lausitz ein, das ein lange bestelltes Zubehörteil für den 6500 enthielt, den legendären Maestro. Es gab wohl Probleme mit einem Bauteilezulieferer die dazu führten, dass über ein Jahr keine Lieferungen erfolgen konnten, sehr ärgerliche Geschichte.

Die Spannung war nach der langen Wartezeit natürlich entsprechend groß: Die Installation verlief flott und problemlos und das Gesamtwerk stellte sich nun so dar:

Der Maestro kommuniziert mit dem 6500 via LAN (Kabel oder WLAN, Unterschiede bei mir nicht feststellbar).

Funkbetrieb ist also auch ohne PC möglich solange man sich den klassischen Betriebsarten widmet und kein Logbuchprogramm benötigt. Eine wirkliche Klasse für sich ist nun die Bedienbarkeit, das Design der „Frontplatte“ ist wirklich perfekt gelungen.

  • 2 große VFO-Abstimmknöpfe, die Zuordnung (RX/TX) direkt darüber wählbar und farbig hinterleuchtet.
  • Pro VFO ein NF-Regler und ein Regler zur Filterbandbreite/Lage
  • Ein weiterer Regler für CW-Geschwindigkeit (bei SSB Mikrofonvorverstärkung) und Ausgangsleistung.
  • Ein paar (ebenfalls beleuchtete) Taster sowie 3 (6) frei belegbare F-Tasten.
  • Mehr als 50% der Fläche nimmt das sensitive LCD-Panel ein.

Aus meiner Sicht (und wohl auch aus der vieler Senioren) ist Flexradio bei der Bedienung ein ganz großer Wurf gelungen, vom PC aus wurde der 6500 seither nie mehr betrieben. Reduzierung der Bedienelemente auf das wirklich Notwendige, große und wertige Knöpfe, wenige beleuchtete Tasten.

Das Display ist ebenfalls sehr gut gelungen. Das Menu für die vielen Einstellmöglichkeiten ist intuitiv erreichbar und aufgrund der Displaygröße natürlich deutlich „ausführlicher“ Ebenso schnell sind hier Band/Betriebsartenwechsel und Frequenzeingaben über eine Telefontastatur respektabler Größe möglich.

Der Maestro mißt etwa 36 x 17 cm und ist nur 4 cm tief. Der Aufstellwinkel aus Metall ist perfekt für gute Ablesbarkeit und durch die geringe Tiefe ergeben sich völlig neue Möglichkeiten der Aufstellung . In meinem Shack steht der Maestro links von der Tastatur in einem Winkel von etwa 45 Grad. Optimal ablesbar, mit der linken Hand perfekt bedienbar ohne sich vorbeugen zu müssen und durch die geringe Tiefe nicht störend auf dem Stationstisch. Hinten gehen zwei dünne Kabel weg, Stromversorgung und LAN, die werden durch ein Loch im Tisch nach unten geführt. An der rechten Seite die Morsetaste, perfekte Ergonomie ohne große Klimmzüge.

Ich habe die oben beschriebene Combo mittlerweile in einigen Contesten getestet und bin sehr zufrieden. Mein Fazit:

  • Der rx ist ist klasse, im A/B-Vergleich mit meinem K3 kann ich jedoch keine signifikanten Unterschiede feststellen. Beide Empfänger spielen sicherlich in der höchsten Liga. Ich werde demnächst den K3 auf das neue Frontend umrüsten und dann nochmals vergleichen.
  • Das Bedienkonzept ohne Maestro (also mit PC) ist gewöhnungsbedürftig. Man kann sich sicherlich daran gewöhnen, für mich war es jedoch an bestimmten Stellen einfach suboptimal.
  • Das Bedienkonzept mit Maestro ist wirklich außergewöhnlich gut gelungen, hier werden neue Maßstäbe gesetzt.
  • Die Shackintegration (Bandpässe, Endstufen, Tuner, Antennenumschalter, etc) ist mit den USB-Anschlüssen des Flex einzigartig. Einfacher geht es nicht, ein dickes Plus!

Ein paar Bemerkungen zum Thema Remotebetrieb. die Kollegen in W sind über dieses Feature ja regelrecht verzückt. Ich kann das allerdings nicht so recht nachvollziehen. Zum Funken habe ich mein Shack und dabei wird es wohl auch bleiben. Die Vorteile des „Terrassen- oder Esszimmerfunks“ erschliessen sich mir nicht. Vielleicht mal im Sommer zur Bandbeobachtung 6m, aber sonst ?

Ich habe es trotzdem getestet. Maestro via WLAN verbunden, Taste und Kopfhörer am Maestro angesteckt. Hören geht wunderbar, habe keine Unterschiede ausmachen können. Geht man auf Sendung so nervt ein Mithörton, den ich so schlecht lange nirgends mehr gehört habe. Aber gut, man kann damit ohne lags und sonstige Behinderungen cw machen. Ein weiterer Test via UMTS-Stick im Auto funktionierte ebenfalls problemlos. Ich habe meine diesbezüglichen Versuche dann mangels Interesse eingestellt.

In Summe ein wirklich tolles und innovatives Gerät, incl. Maestro allerdings schon fast auf dem Niveau eines TS990, kein ganz preiswertes Vergnügen. Ein wenig verunsichert bin ich allerdings ob einiger Entwicklungspannen, sei es mit dem Maestro oder auch den mittlerweile nicht mehr ganz einfach zu beschaffenden Lüfter im Trx. Hier hat Elecraft ganz klar die Nase vorn.

Advertisements

Maestro in da House (Teil 1)

1 Kommentar

Fast 3 Jahr ist es nun schon her dass ich mich entschloss noch kurz vor dem Erreichen der Altersdemenzschwelle auf den Flexradio-Zug aufzuspringen. Soviel sei vorweggenommen, es waren reichlich spannende 3 Jahre.

Ich hatte es ja ohne Not getan, einfach nur aus „Lust an Neuem“. Mein K3 machte und macht einen Spitzenjob und ist, ja wie man mittlerweile weiß sogar mit neuester Technik aufrüstbar und aus dem Dxpeditionsgeschäft nicht mehr wegzudenken.

Der Anfang war schon recht dornig, da gibt es nichts zu beschönigen. Das Verdrosseln aller möglichen Ein und Ausgangskabel kannte ich bislang nur vom Hörensagen, der 6500er spielte erst dann fehlerfrei als ich gefühlte 3 Kilo Ferrit in den Kabelwust eingearbeitet hatte. Seither ist allerdings Ruhe im Karton, die im Reflektor gepriesene gemeinsame Erdung aller Komponenten an eine zentrale Schiene stellte sich dann zum Glück als nicht mehr notwendig heraus.

Dann kam die PC-Installation: Wem PC-Schnittstellen bislang nur nach ihrem Aussehen geläufig waren entwickelte sich in kurzer Zeit zum Kenner dieser Materie. Wie finde ich sie, wie halte ich sie auseinander und wie verhindere ich dass sie scheinbar willkürlich ihre Zuordnung verändern. Quasi als Sahnehäubchen obendrauf kam dann noch unerwartetes Verhalten nach Softwareupdates und von denen gab es deutlich mehr als mir lieb war.

Ich lernte schnell die Notwendigkeit der eindeutigen Beschriftung von Kabeln und der Dokumentation der PC-Rückseite mithilfe aussagekräftiger Fotos. Auch die Gesamtverkabelung der Station (PC, 6500, PA) wurde in dieser Zeit verschriftlicht und akribisch auf Stand gehalten. Bislang war ich nicht unbedingt als der große Dokumentator bekannt, Flexradio änderte das …

Weiter ging es mit dem PC selbst. Sollte schon mal keine alte Gurke sein und eine halbwegs aktuelle Grafikkarte besitzen. Darüber hinaus empfahl es sich nicht, permanent irgendwelche mehr oder minder hilfreiche Software, womöglich aus dubiosen Quellen nachzuinstallieren. Dabei half mir die Tatsache, dass ich im privaten Bereich schon seit längerer Zeit auf einen Mac umgestiegen war; Windows war daher nur noch für das Hobby AFU im Einsatz

  • Die komplette Flex-Software
  • Das Progrämmchen zur Fernbedienung der PA
  • Ein Logprogramm für jeden Tag (UCX)
  • eins für Conteste (N1MM+)
  • einen Internet-Browser
  • einen PDF-Reader
  • sonst nichts …

Um den Funkbetrieb nur ja nicht zu gefährden fuhr ich sogar eine 2-Platten-Strategie: Vor allen Softwareupdates habe ich zunächst die aktuelle Platte geclont und das Duplikat in den Schrank gelegt. Dann kam der Update und falls unerwartete Probleme auftauchten konnte ich durch simplen Plattentausch mit der alten Version weiterfunken bis die Probleme der neun Version gefixt waren.

Auch wenn das jetzt alles ein wenig negativ klingt: Es war eine sehr spannende Zeit und vor allem merkte man tatsächlich bei jedem Versionsupdate eine kleine Verbesserung des Gesamtwerks, der Weg ging also in die richtige Richtung.

Der nächste Meilenstein für mich war dann die Unterstützung dieser „komischen“ USB-Ports am 6500. Bislang waren die nämlich schlicht funktionslos und sollten jetzt plötzlich der direkten Kopplung von Endstufen, Tunern, Antennenumschaltern etc mithilfe von USB/Serialwandlern dienen. Wohl eingedenk der Probleme, die Elecraft mit verschiedenen Wandlern hatte gab Flex verbindliche Empfehlungen ab welcher Typ einsetzbar ist und siehe da: Sowohl die PA als auch der Bolli-Tuner funktionierten von Anfang an mühelos und fehlerfrei.

Es war ein Segen: Die PC-Schnittstellen reduzierten sich über Nacht auf lächerliche 2 USB-Ports: Den Abstimmknopf (Flexcontrol) und die Fernbedienung der PA: Ihre Frequenzinfos erhält diese direkt vom 6500 aber on/off, standby/operate und low/middle/high wird über das Fernbedienungsfensterchen eingestellt und schon kann ich das lärmende Teil ein wenig abseits stellen.

Mit dem Erscheinen  der SmartSDR V2.0 wagte ich mich endlich auch an das Update auf Windows 10, wenn schon Sprung ins kalte Wasser dann aber komplett und auch mit neuem Betriebssystem; es ging tatsächlich unerwartet problemlos und ich habe den Schritt nicht bereut.

(Ende Teil 1, wird in Kürze fortgesetzt)

DJ3CQ goes Flexradio, Neues vom (fast) Berufsfunker

Hinterlasse einen Kommentar

Ziemlich genau zwei Jahre hat sich hier nichts mehr getan, die Gründe dafür waren teils nachvollziehbar, teils hausgemacht:

Die Rente warf ihre Schatten voraus, es galt für die von mir ausgefüllte Position im Beruf  passende Nachfolger zu finden, diese den Anforderungen entsprechend einzuphasen und nach und nach zu ertüchtigen. Das hat geklappt, ich bin jetzt völlig entbehrlich und das ist gut so! Am 21.2.2017 beginnt mein letzter Arbeitstag, danach kann ich mich in vollem Umfang den „schönen Dingen des Lebens“ widmen. Für Alle, die das noch vor sich haben: Freut Euch drauf, das ist ein wirklich tolles Gefühl 🙂

Auch amateurfunkmäßig hat sich ein größerer Umbruch ergeben. Mein Contestkumpel Thomas (DK1EY) hat mich so ganz nebenbei auf eine neue Fährte gebracht, die spannend aber halt auch sehr zeitaufwändig war. Man glaubt ja gar nicht wieviele Klippen auf dem Weg hin zu einer funktionsfähigen SDR-Station mit allem Drumherum (Ansteuerung PA, Ansteuerung Logprogramm(e), Antennenumschaltung) lauern. Mittlerweile habe ich es tatsächlich geschafft, bin absolut begeistert und nachdem die eine oder andere Anfrage nach dieser Art von Station bei mir aufschlägt habe ich mir vorgenommen dem Thema hier eine eigene Rubrik (SDR) zu widmen, in der ich in loser Folge den Aufbau, die gemachten Erfahrungen, die Unterschiede im Betrieb und schlußendlich die sich im Alltag ergebenden Vorteile beschreibe.

 

K1N – Fluch der Karibik?

6 Kommentare

Die Schlacht ist so gut wie geschlagen, das Großereignis 2015 neigt sich dem Ende zu. Navassa, eine kleine Guano-Insel in der Karibik mit großer Vergangenheit wurde erstmals nach 23-jähriger Funkabstinenz unter dem Call K1N in den Äther gebracht.
Für Insider stand das Chaos schon vorher fest, schliesslich taucht Navassa in allen Most-Wanted-Listen als Nr.2 hinter dem Dauerbrenner Nordkorea auf. Trotzdem wurden die hohen Erwartungen noch weit übertroffen: TX5K, FT4TA, EP6T, Großereignisse in jüngster Vergangenheit, verblassten vor den epochalen Pileups denen sich 17 amerikanische Funker in einem alten Leuchtturm mutig entgegenstellten. Die Amateurfunkwelt stand Schlange, man verteilte sich willig nahezu über das gesamte Band, rief stunden- und tagelang, wartete, bangte und hoffte inständig auf den finalen Erfolg – den erlösenden Aufruf des eigenen Calls.

Es war ein wahrlich rauschendes HAM-Fest, leider allerdings auch mit den üblichen negativen Begleitumständen. Alle Cops dieser Welt gaben sich ein Stelldichein; ihre gellenden Trillerpfeifen wurden dezent untermalt vom omnipräsenten Chor der Up-Rufer und den kurzweiligen Einlagen der Psychopathen und Geräuschimitatoren. Für mich fast enttäuschend die geringe Anzahl der sonst üblichen Piraten: Entweder  hing das mit dem Fluch der Karibik zusammen oder sie fanden schlicht kein freies Plätzchen mehr im Chaos auf den Bändern 🙂

 

ein paar einsame Rufer auf 80m

ein paar einsame Rufer auf 80m

 

Vielen ist dabei zurecht das Lachen vergangen: Die Aussenwirkung, die Präsentation unseres Hobbys in der Öffentlichkeit war verheerend, wie gut dass Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft heute nicht mehr Kurzwelle hören. Wie war das noch mal gleich: Ein naturwissenschaftlich geprägter Funkdienst mit hohem Akademikeranteil… Die heutige Gesellschaft benutzt ihre Ellbogen bekanntermaßen rücksichtslos, leider gilt das mittlerweile auch für uns Funker.

Auch für mich war K1N ein „all time new one“ und von daher Pflichtprogramm bis hin zum Schlafentzug und Abfeiern von Überstunden. In Anbetracht meiner bescheidenen Antennenmöglichkeiten entschied ich mich zunächst mal den großen Fischen den Vortritt zu lassen um dann hintenrum, quasi durch die kalte Küche, die begehrteTrophäe einzuheimsen. Es klappte auch ganz gut, am Anfang der 2ten Woche hatte ich früh gegen 02:30h auf 40 das große Glück gehört zu werden und damit war meine Pflicht erfüllt.Die Kür habe ich mir geschenkt, zu groß das Tohuwabohu, zu angespannt die Stimmung, zu aggressiv die Töne in den Clustern. Das ist unser heiliges Hobby, der vielgerühmte HAM-Spirit unsere weltweite Gemeinschaft?

Wie werden wir sie wieder los, die von der ARRL heraufbeschworenen Slot-Geister? Hängt unser Selbstwert den tatsächlich davon ab einen von Vögeln zugesch… Steinhaufen in der Karibik innerhalb 10 Tagen auf allen Bändern in allen Modes gearbeitet zu haben?
Das nächste Großereignis taucht ja bereits hinterm Horizont auf: Bouvet, jetzt nachdem Navassa mit über 125.000 Verbindungen abgefeiert wurde in der pole position. Gibt es wieder ein großen Hauen und Stechen oder kommen wir zur Besinnung? Probate Mittel gab es auch schon in der Vergangenheit: VK0MM hat es im Jahre 2000 vorgemacht und jeden erbarmungslos aus dem Log gelöscht, der einen Doppelanruf tätigte. Sicherlich eine heftige Maßnahme aber wenn sich sonst niemand bemüßigt fühlt die Dinge zu verbessern muss eben der Zweck die Mittel heiligen …

2013 – Ich denk, es war ein gutes Jahr …

Hinterlasse einen Kommentar

Schon komisch, gerade erst angefangen und schon liegt es in den letzten Zügen, das Jahr 2013; Zeit für (m)ein kleines Funk-Resümee:

Rein DX-technisch lief es für mich sehr gut. Die Experten nörgeln zwar dass das Sonnenfleckenmaximum eher mäßig und unterentwickelt war, trotzdem bin ich mit meinen „newones“ mehr als zufrieden. Mit 3C0E, 9U4U, 3D2C, TX5K, TO2TT, HP0INT, 5W0M, K9W und 5J0R, um nur einige der großen Aktivitäten 2013 zu nennen, hat sich mein DXCC Länderstand zwischenzeitlich knapp unter die 250er Marke geschoben. Die ganz seltenen Vögel zu erwischen war nicht immer einfach, speziell TX5K und K9W waren schon sehr dicht umlagert und mit meinen relativ bescheidenen Mitteln war ich froh zumindest auf einem Band gehört zu werden. Gerade bei diesen Aktivitäten erreichte auch der Auftritt des Chors der Störer, Cops und Spaßverderber seinen vorläufigen Höhepunkt. Es ist wirklich bitter diesem Verfall der Sitten zuhören zu müssen, ob sich das wohl noch jemals ändern wird?

In Sachen Contest habe 2013 mein persönliches Ziel „Frequent Contester des BCC“ erreicht. 5 Mio Punkte für den Bavarian Contest Club wären nötig gewesen,  am Ende kamen mit 10.7 Mio Punkten ein für mich tolles Ergebnis heraus. Das ist schon sehr erstaunlich, vor meiner „Kinder- und Karrierepause“ konnte ich mich für die Contesterei absolut nicht erwärmen, mittlerweile plane ich meine Urlaube streng nach dem BCC-Jahreskalender 🙂 Gerade im Team macht die Contesterei großen Spaß: Man trifft neue Leute, kann Kontakte knüpfen, sich den einen oder anderen Trick abschauen und nebenbei wird man über das Neueste in Sachen Funk informiert; ich möchte das alles nicht mehr missen und freue mich schon auf die neue Saison.

Auch antennentechnisch hat sich einiges getan: Die Doublet, bisher als Allbandantenne (10-40m) genutzt wurde ein wenig verlängert und bedient nun nur noch 30/40/80m, eine Cushcraft R5 auf dem Dach deckt mittlerweile die DX-Bänder ab. Der Umbau hat sich deutlich bemerkbar gemacht. Im DX-Geschäft höre ich mit der Vertical  besser und bin wohl auch ein wenig lauter aufzunehmen; die verlängerte Doublet sorgt  zumindest im EU-Verkehr für ein deutlich stärkeres 80m-Signal; ein 4. Platz im DTC sowie einige seltene Vögel auf 80m (FM, J8, FJ, A9, Z8) zeigen, dass man auch mit bescheidenen Antenn(ch)en für die eine oder andere Überraschung gut ist. Speziell an den Contestergebnissen kann man auch kleine Verbesserungen an der Technik zuverlässig ablesen, es lohnt sich daher zu tüfteln und die Station weiterzuentwickeln.

Schwer begeistert hat mich das „Magic band“. Hier war ja 2013 meine erste Saison und es hat wirklich großen Spaß gemacht auf 6m-Öffnungen zu lauern. Selbst mit meiner fest ausgerichteten HB9CV knapp 2m über Schornstein konnte ich ein wenig mitspielen und hatte es am Saisonende auf immerhin 32 bestätigte Länder auf meinem Konto.  Mittlerweile liegt eine 5-Element Yogi im Keller, die ich 2014 wohl mal versuchsweise in Betrieb nehmen werde; auch eine /p-Aktivität irgendwo im Ausland würde mich reizen, mal sehen wohin die Reise mit dem Funkomobil geht.

Was Dxpeditionen anbelangt habe ich 2013 eine schöpferische Pause eingelegt.  Die ursprünglich geplante Teilnahme an 3DA0ET hatte sich zerschlagen und es war dann auch zu spät noch Alternativen zu suchen. Schau’n wir mal was 2014 bringt, in den Fingern juckt es mich jedenfalls schon sehr stark.

Bleibt nur noch allen Mitlesern hier noch ein paar ruhige Tage, einen guten Rutsch und alle erdenklich Gute im neuen Jahr zu wünschen !

WAG 2013: Sind Conteste seniorentauglich?

2 Kommentare

Sonntag der 20. Oktober gegen 16.58h: Eines der schönsten Herbstwochenenden dieses Jahres  geht zuende, draußen scheint noch die Sonne und  es ist ungewöhnlich mild für diese Jahreszeit. Die beste YL von allen verbringt den Nachmittag zusammen mit Tocher, Schwiegersohn und den beiden Hunden an der schönen Isar. Ich sitze hier in der heimischen Bude und funke. Präzise gesagt tue ich das schon seit gestern Nachmittag, exakt 17.00h und habe seither nur für kümmerliche 2,5 Stunden Nachtruhe, ein paar Minuten hektischer Nahrungsaufnahme sowie einiger Gänge zum kleinsten Raum unseres Häuschens unterbrochen. Ich bin eben Funkamateur mit einem Faible für den Wettbewerb, auch Contest genannt.

Es läuft der WAG 2013; im letzten Jahr hatte ich mir schon viel für diesen Wettbewerb vorgenommen, leider gab es technische Probleme mit meinem Hexbeam und ich musste mich deshalb mit Behelfsantennen begnügen. Dieses Jahr soll nun alles besser werden, mit der Doublet (2x16m) sowie Andys R5 wollte ich zu Hause die knappen 1000 Qsos vom letzten Jahr toppen  und noch ein paar mehr drauflegen.

Ich fühle mich schon lange nicht mehr gut. Die ewige Sitzerei peinigt den alternden Rücken und darum fahre ich schon seit geraumer Zeit die eine oder andere Verbindung im Stehen. Prinzipiell eine sehr gute Idee, wenn nur das ebenfalls alternde und daher auf ausgefeilte optische Hilfsmittel angewiesene Auge im Stehen noch den Bildschirm lesen könnte… Hilfreich wäre ein Senioren-Contest-Stehpult oder gar einer dieser tollen höhenverstellbaren Schreibtische, die man uns im qrl zur Verfügung stellt. Kater Nico steht derweilen etwa abseits vom Funk-Aktivitätszentrum meines Schreibtisches und leckt in Ruhe meinen leeren Joghurtbecher aus. Was er im Moment über mich denkt möchte ich lieber nicht wissen …

nico

Mit exakt 1276 Verbindungen schliesse ich bereits um 16.:59:05 genervt das Log. Was für ein Blödsinn, was bringt einen Mann in meinem gesetzten Alter dazu sich freiwillig dieser Tortur zu unterziehen? Altersbedingt wäre doch viel eher ein gewisser Hang zum Gourmet angesagt: Qualität statt Quantität sollte meine Devise lauten. Allenfalls leichte Kurzconteste aber besser noch völliger Contestverzicht; stattdessen ein wenig Ragchewing oder gar interessante Dxpeditionskost in appetitlichen Häppchen. Das war ganz sicher mein letzter 24-Stunden-Wettbewerb.

All diese Dinge gehen mir durch den Kopf als ich müde die Treppe runterstolpere um mich ein wenig in den Garten zu setzen. Die Sonne verabschiedet sich gerade, die Vögel pfeifen mir völlig unverständlichen Zeichen, mein Tinnitus leider auch.

Die beste Ehefrau von allen kommt gerade vom Spaziergang nach Hause, bedenkt mich mit diesem mir wohlbekannten mitleidig nachsichtigem Blick und fragt ob ich denn meine gesteckten Ziele auch habe erreichen können. Ich bleibe die Antwort schuldig, erkläre aber voller Inbrunst dass das heute ganz sicher mein letzter Wettbewerb war; auch der auf diese völlig überraschende Aussage folgende Blick ist mir wohlbekannt …

Schon kurz nach Beginn des abendlichen Tatorts (er ist echt schlecht) übermannt mich die Müdigkeit und ich verabschiede mich ins Bett. Es folgt ein nahezu unterbrechungsfreier 10 ständiger Schlaf, welch ein herrlicher Luxus.

Montag, der 21. Oktober gegen 07.00h: Ausgeruht und nur noch leicht verschlafen sitze ich auf der Bettkante: Das war doch eine tolle Sache gestern. Ich bin echt stolz auf mein Ergebnis,  konnte mich ja doch deutlich steigern und es hat super Spaß gemacht. Die Contesterei hält einen eben jung, wie lange ist eigentlich noch Zeit bis zum CQ WW CW ?

Zur IARU WCS in die Schweiz

Hinterlasse einen Kommentar

Alljährlich im Juli geht’s in die Berge, genauer gesagt die Schweizer Berge. Chris (HB9ELV), der Präsident von HB9EE brauchte ein paar CW-Legionäre und den Termin hatte ich mir selbstverständlich freigehalten.. In diesem Jahr war sogar noch für zusätzliche Verstärkung gesorgt: Bereits am Donnerstag Abend fuhr ich zum Flughafen und wartete dort auf den Flieger aus Kopenhagen. An Bord mein alter Freund Kenneth (OZ1IKY). Ich hatte ihn vor einigen Jahren bei OZ5E kennengelernt und den Kontakt seither nicht mehr abreissen lassen.

Bei einem gemütlichen Absackbierchen auf unserer Terasse erzählte er mir exklusiv von seinem Pazifikabenteuer, seinen Vortrag auf der HAM zum Thema TX5K hatte ich wegen des Geburtstags der YL leider auslassen müssen.  Besonders gefreut habe ich mich über ein kleines Mitbringsel aus dem Pazifik, es wird einen Ehrenplatz im Shack erhalten.

IMG_2516

Am nächsten Morgen wurde dann gemeinsam das Auto beladen, ein paar Einkäufe gemacht und ab ging es in Richtung HB9. Bereits um 16.00h begannen wir mit dem Aufbau. Chris hatte wie üblich schon jede Menge Vorarbeit geleistet und so gut wie alle Antennen auf die diversen Masten verteilt. Wir hatten in diesem Jahr zusätzlich zu 15m cw auch noch 10m cw zugeteilt bekommen, mit zwei Tagbändern und 5 ops sollte es nicht langweilig werden. Als 10m-Station diente mein K3 mit der Expert 2000, über einen Stackmatch hatten wir 2 Beams und eine GP zur Verfügung. Die erwarteten Probleme mit Endstufe und Aggregat blieben wegen cos(phi)=1  (ein Insider) aus und so konnten wir den Abend am Grillfeuer in aller Ruhe ausklingen lassen ehe wir uns auf unsere Feldbetten zurückzogen. Der Tag war (wie das ganze Wochenende) sehr heiß und wir genossen die Übernachtung unter freiem Himmel, bewacht von Jule, der Teamassistenz.

Am nächsten Morgen dann noch letzte Vorbereitungen und ein kleiner Rückschlag: Karl-Heinz (DK2GP) fiel kurzfristig aus und auch Michael (DL1II) musste wegen einer fieberhaften Erkältung ein wenig kürzer treten. Kurz vor Beginn schaute dann noch Freund Murphy vorbei, war aber nicht zum Mitmachen zu bewegen. Stattdessen hinterließ er uns PC-Probleme an der 15m-Station die zu einem verzögerten Beginn führten.

Auf 10m lief zunächst alles nach Plan, die Bedingungen waren allerdings nur mittelmässig und die Rate tröpfelte recht lustlos dahin.  Etwas Abwechslung in die eintönige Funkerei brachte dann die Expert, die mit sehr hohen Compiler-Temperaturen auf sich aufmerksam machte und nur noch einen Output von etwa 400 Watt zuließ.

Andy, Kenneth, Jule, Chris, Jo, Miichael (v.l.n.r.)

HB9HQ 10/15m-CW-Team: Kenneth, Andy, Jule, Chris, Jo, Miichael (v.l.n.r.)

Egal, wir haben das Ding auf beiden Bändern sauber nach Hause gefahren: Auf 15m sind wir nur knapp am Vorjahresergebnis gescheitert, das war der verpassten Stunde zu Beginn geschuldet. Auf 10m brachte uns ein starker Endspurt dann doch noch in die Nähe von 600 Qsos, was wir angesichts der Bedingungen durchaus als Erfolg werteten.

Gemeinsamer Abbau, ein letztes Händeschütteln und ab ging es in Richtung Heimat, die Dusche dort nach 48 Stunden Gluthitze war wahrlich kein Luxus 🙂

Older Entries