Maestro in da House (Teil 2)

Hinterlasse einen Kommentar

Ja, so hatte ich mir das eigentlich von Anfang an vorgestellt: Einfach nur Funken ohne nerviges „Einschlafen, Hängenbleiben oder gar Aussteigen“ irgendwelcher Programme oder Schnittstellen am PC. Es war schon eine schöne Wegstrecke, die ich bis zum Erreichen dieses Zustandes zurückgelegt hatte aber es hat sich dann schlussendlich doch gelohnt.

Diese Art des Betriebs eröffnet dem DXer neue Möglichkeiten: Man „sieht“ das jeweilige Band in seiner ganzen Schönheit und erkennt Bandöffnungen sofort; auf 6 Meter beispielsweise ein erheblicher Mehrwert der mir manch schöne Verbindung ins Log brachte noch bevor die Cluster für die Verbreitung der Frequenz und damit den üblichen Hickhack sorgten.

Ist ein Pileup  im Gange erkennt man schnell in welchem Bereich denn gerade gehört wird und seinen Anruf entsprechend platzieren. Das funktioniert ausbreitungstechnisch bedingt natürlich nicht auf allen Bändern, auf den Lowbands jedoch absolut zuverlässig. Mein Länderstand auf diesen Bändern verbesserte sich deshalb in kurzer Zeit auch signifikant.

Aber wo Licht ist gibt es bekanntlich auch Schatten: Mich störte das dauernde „Point&Click“, die Funkerei war plötzlich zu PC-lastig. Klar gewöhnt man sich daran beispielsweise das CW-Tempo mit der Maus und einem Schieberegler einzustellen doch ich vermisste einfach das „klassische“ Userinterface sehr.

Exakt zu diesem Zeitpunkt traf ein Paket aus der Lausitz ein, das ein lange bestelltes Zubehörteil für den 6500 enthielt, den legendären Maestro. Es gab wohl Probleme mit einem Bauteilezulieferer die dazu führten, dass über ein Jahr keine Lieferungen erfolgen konnten, sehr ärgerliche Geschichte.

Die Spannung war nach der langen Wartezeit natürlich entsprechend groß: Die Installation verlief flott und problemlos und das Gesamtwerk stellte sich nun so dar:

Der Maestro kommuniziert mit dem 6500 via LAN (Kabel oder WLAN, Unterschiede bei mir nicht feststellbar).

Funkbetrieb ist also auch ohne PC möglich solange man sich den klassischen Betriebsarten widmet und kein Logbuchprogramm benötigt. Eine wirkliche Klasse für sich ist nun die Bedienbarkeit, das Design der „Frontplatte“ ist wirklich perfekt gelungen.

  • 2 große VFO-Abstimmknöpfe, die Zuordnung (RX/TX) direkt darüber wählbar und farbig hinterleuchtet.
  • Pro VFO ein NF-Regler und ein Regler zur Filterbandbreite/Lage
  • Ein weiterer Regler für CW-Geschwindigkeit (bei SSB Mikrofonvorverstärkung) und Ausgangsleistung.
  • Ein paar (ebenfalls beleuchtete) Taster sowie 3 (6) frei belegbare F-Tasten.
  • Mehr als 50% der Fläche nimmt das sensitive LCD-Panel ein.

Aus meiner Sicht (und wohl auch aus der vieler Senioren) ist Flexradio bei der Bedienung ein ganz großer Wurf gelungen, vom PC aus wurde der 6500 seither nie mehr betrieben. Reduzierung der Bedienelemente auf das wirklich Notwendige, große und wertige Knöpfe, wenige beleuchtete Tasten.

Das Display ist ebenfalls sehr gut gelungen. Das Menu für die vielen Einstellmöglichkeiten ist intuitiv erreichbar und aufgrund der Displaygröße natürlich deutlich „ausführlicher“ Ebenso schnell sind hier Band/Betriebsartenwechsel und Frequenzeingaben über eine Telefontastatur respektabler Größe möglich.

Der Maestro mißt etwa 36 x 17 cm und ist nur 4 cm tief. Der Aufstellwinkel aus Metall ist perfekt für gute Ablesbarkeit und durch die geringe Tiefe ergeben sich völlig neue Möglichkeiten der Aufstellung . In meinem Shack steht der Maestro links von der Tastatur in einem Winkel von etwa 45 Grad. Optimal ablesbar, mit der linken Hand perfekt bedienbar ohne sich vorbeugen zu müssen und durch die geringe Tiefe nicht störend auf dem Stationstisch. Hinten gehen zwei dünne Kabel weg, Stromversorgung und LAN, die werden durch ein Loch im Tisch nach unten geführt. An der rechten Seite die Morsetaste, perfekte Ergonomie ohne große Klimmzüge.

Ich habe die oben beschriebene Combo mittlerweile in einigen Contesten getestet und bin sehr zufrieden. Mein Fazit:

  • Der rx ist ist klasse, im A/B-Vergleich mit meinem K3 kann ich jedoch keine signifikanten Unterschiede feststellen. Beide Empfänger spielen sicherlich in der höchsten Liga. Ich werde demnächst den K3 auf das neue Frontend umrüsten und dann nochmals vergleichen.
  • Das Bedienkonzept ohne Maestro (also mit PC) ist gewöhnungsbedürftig. Man kann sich sicherlich daran gewöhnen, für mich war es jedoch an bestimmten Stellen einfach suboptimal.
  • Das Bedienkonzept mit Maestro ist wirklich außergewöhnlich gut gelungen, hier werden neue Maßstäbe gesetzt.
  • Die Shackintegration (Bandpässe, Endstufen, Tuner, Antennenumschalter, etc) ist mit den USB-Anschlüssen des Flex einzigartig. Einfacher geht es nicht, ein dickes Plus!

Ein paar Bemerkungen zum Thema Remotebetrieb. die Kollegen in W sind über dieses Feature ja regelrecht verzückt. Ich kann das allerdings nicht so recht nachvollziehen. Zum Funken habe ich mein Shack und dabei wird es wohl auch bleiben. Die Vorteile des „Terrassen- oder Esszimmerfunks“ erschliessen sich mir nicht. Vielleicht mal im Sommer zur Bandbeobachtung 6m, aber sonst ?

Ich habe es trotzdem getestet. Maestro via WLAN verbunden, Taste und Kopfhörer am Maestro angesteckt. Hören geht wunderbar, habe keine Unterschiede ausmachen können. Geht man auf Sendung so nervt ein Mithörton, den ich so schlecht lange nirgends mehr gehört habe. Aber gut, man kann damit ohne lags und sonstige Behinderungen cw machen. Ein weiterer Test via UMTS-Stick im Auto funktionierte ebenfalls problemlos. Ich habe meine diesbezüglichen Versuche dann mangels Interesse eingestellt.

In Summe ein wirklich tolles und innovatives Gerät, incl. Maestro allerdings schon fast auf dem Niveau eines TS990, kein ganz preiswertes Vergnügen. Ein wenig verunsichert bin ich allerdings ob einiger Entwicklungspannen, sei es mit dem Maestro oder auch den mittlerweile nicht mehr ganz einfach zu beschaffenden Lüfter im Trx. Hier hat Elecraft ganz klar die Nase vorn.

Advertisements

Maestro in da House (Teil 1)

1 Kommentar

Fast 3 Jahr ist es nun schon her dass ich mich entschloss noch kurz vor dem Erreichen der Altersdemenzschwelle auf den Flexradio-Zug aufzuspringen. Soviel sei vorweggenommen, es waren reichlich spannende 3 Jahre.

Ich hatte es ja ohne Not getan, einfach nur aus „Lust an Neuem“. Mein K3 machte und macht einen Spitzenjob und ist, ja wie man mittlerweile weiß sogar mit neuester Technik aufrüstbar und aus dem Dxpeditionsgeschäft nicht mehr wegzudenken.

Der Anfang war schon recht dornig, da gibt es nichts zu beschönigen. Das Verdrosseln aller möglichen Ein und Ausgangskabel kannte ich bislang nur vom Hörensagen, der 6500er spielte erst dann fehlerfrei als ich gefühlte 3 Kilo Ferrit in den Kabelwust eingearbeitet hatte. Seither ist allerdings Ruhe im Karton, die im Reflektor gepriesene gemeinsame Erdung aller Komponenten an eine zentrale Schiene stellte sich dann zum Glück als nicht mehr notwendig heraus.

Dann kam die PC-Installation: Wem PC-Schnittstellen bislang nur nach ihrem Aussehen geläufig waren entwickelte sich in kurzer Zeit zum Kenner dieser Materie. Wie finde ich sie, wie halte ich sie auseinander und wie verhindere ich dass sie scheinbar willkürlich ihre Zuordnung verändern. Quasi als Sahnehäubchen obendrauf kam dann noch unerwartetes Verhalten nach Softwareupdates und von denen gab es deutlich mehr als mir lieb war.

Ich lernte schnell die Notwendigkeit der eindeutigen Beschriftung von Kabeln und der Dokumentation der PC-Rückseite mithilfe aussagekräftiger Fotos. Auch die Gesamtverkabelung der Station (PC, 6500, PA) wurde in dieser Zeit verschriftlicht und akribisch auf Stand gehalten. Bislang war ich nicht unbedingt als der große Dokumentator bekannt, Flexradio änderte das …

Weiter ging es mit dem PC selbst. Sollte schon mal keine alte Gurke sein und eine halbwegs aktuelle Grafikkarte besitzen. Darüber hinaus empfahl es sich nicht, permanent irgendwelche mehr oder minder hilfreiche Software, womöglich aus dubiosen Quellen nachzuinstallieren. Dabei half mir die Tatsache, dass ich im privaten Bereich schon seit längerer Zeit auf einen Mac umgestiegen war; Windows war daher nur noch für das Hobby AFU im Einsatz

  • Die komplette Flex-Software
  • Das Progrämmchen zur Fernbedienung der PA
  • Ein Logprogramm für jeden Tag (UCX)
  • eins für Conteste (N1MM+)
  • einen Internet-Browser
  • einen PDF-Reader
  • sonst nichts …

Um den Funkbetrieb nur ja nicht zu gefährden fuhr ich sogar eine 2-Platten-Strategie: Vor allen Softwareupdates habe ich zunächst die aktuelle Platte geclont und das Duplikat in den Schrank gelegt. Dann kam der Update und falls unerwartete Probleme auftauchten konnte ich durch simplen Plattentausch mit der alten Version weiterfunken bis die Probleme der neun Version gefixt waren.

Auch wenn das jetzt alles ein wenig negativ klingt: Es war eine sehr spannende Zeit und vor allem merkte man tatsächlich bei jedem Versionsupdate eine kleine Verbesserung des Gesamtwerks, der Weg ging also in die richtige Richtung.

Der nächste Meilenstein für mich war dann die Unterstützung dieser „komischen“ USB-Ports am 6500. Bislang waren die nämlich schlicht funktionslos und sollten jetzt plötzlich der direkten Kopplung von Endstufen, Tunern, Antennenumschaltern etc mithilfe von USB/Serialwandlern dienen. Wohl eingedenk der Probleme, die Elecraft mit verschiedenen Wandlern hatte gab Flex verbindliche Empfehlungen ab welcher Typ einsetzbar ist und siehe da: Sowohl die PA als auch der Bolli-Tuner funktionierten von Anfang an mühelos und fehlerfrei.

Es war ein Segen: Die PC-Schnittstellen reduzierten sich über Nacht auf lächerliche 2 USB-Ports: Den Abstimmknopf (Flexcontrol) und die Fernbedienung der PA: Ihre Frequenzinfos erhält diese direkt vom 6500 aber on/off, standby/operate und low/middle/high wird über das Fernbedienungsfensterchen eingestellt und schon kann ich das lärmende Teil ein wenig abseits stellen.

Mit dem Erscheinen  der SmartSDR V2.0 wagte ich mich endlich auch an das Update auf Windows 10, wenn schon Sprung ins kalte Wasser dann aber komplett und auch mit neuem Betriebssystem; es ging tatsächlich unerwartet problemlos und ich habe den Schritt nicht bereut.

(Ende Teil 1, wird in Kürze fortgesetzt)

Aufbruch in die neue Welt der kurzen Wellen

1 Kommentar

Das Thema SDR lockte mich schon seit Anschaffung des Panoramaempfängers P3 für meinen K3; die Möglichkeit das gerade genutzte Band oder zumindest einen relevanten Teil davon vor sich sehen zu können faszinierte mich, selbst wenn das Display als solches nicht besonders groß war.
Es ist so als ob ein riesiger Raum, den man bislang nur mit einer klitzekleinen Taschenlampe durchsuchen konnte, plötzlich mit Deckenflutern ausgestattet ist. Eine neue Dimension öffnet sich, man sucht nicht mehr sondern sieht plötzlich die Signale vor sich, kann alles untersuchen und erfährt so sehr schnell was denn in diesem Raum (pardon, auf diesem Band) so alles los ist.
Mit dem P3 bekam ich eine Ahnung welche Möglichkeiten sich eröffnen, ich lernte allerdings auch wie schnell man sich an an das „Sehen“ des Bandes gewöhnen kann. Schnell mal einen freien Slot im Contestgetümmel finden, Betrachtung eines stark splatterndes Signals, 6m-Überwachung; all das geht plötzlich spielerisch leicht von der Hand.
Nun bin ich ja nur in cw qrv und gerade diese Betriebsart hatte ja anfangs gehörige Probleme im Hinblick auf Verzögerungen beim Hören und wohl auch Geben der eigenen Zeichen. Für mich nicht akzeptabel, in dieser Hinsicht bin ich „CW-Feinschmecker“ und wollte auf keinen Fall Kompromisse eingehen.
Bei der Neuankündigung der Flex Signature Serie sollte dieses Thema der Vergangenheit angehören, wurde aber trotzdem von der CW-Gemeinde eher skeptisch betrachtet. Nichts hält sich so lange wie ein gut gepflegtes Vorurteil. Als als ich als op beim CQ WW CW 2013 an DD1A-Team einen Flex-Signature-Besitzer in Gestalt von Thomas (DK1EY) persönlich kennenlernen durfte zerstreuten sich meine Bedenken. Thomas beschäftigte sich schon länger mit seinem 6300, war des Lobes voll und bot mir an seinen TRX mal remote zu testen ehe ich mir einen eigenen kaufe.
Soweit kam es dann nicht, seine ausführlichen Erläuterungen haben dann ausgereicht. Wochen später, die Entscheidung 63/65/67 war nicht ganz einfach, klingelte der Paketbote und ein flammneuer Flexradio 6500 zog ins heimische Shack ein.