Sonntag der 20. Oktober gegen 16.58h: Eines der schönsten Herbstwochenenden dieses Jahres  geht zuende, draußen scheint noch die Sonne und  es ist ungewöhnlich mild für diese Jahreszeit. Die beste YL von allen verbringt den Nachmittag zusammen mit Tocher, Schwiegersohn und den beiden Hunden an der schönen Isar. Ich sitze hier in der heimischen Bude und funke. Präzise gesagt tue ich das schon seit gestern Nachmittag, exakt 17.00h und habe seither nur für kümmerliche 2,5 Stunden Nachtruhe, ein paar Minuten hektischer Nahrungsaufnahme sowie einiger Gänge zum kleinsten Raum unseres Häuschens unterbrochen. Ich bin eben Funkamateur mit einem Faible für den Wettbewerb, auch Contest genannt.

Es läuft der WAG 2013; im letzten Jahr hatte ich mir schon viel für diesen Wettbewerb vorgenommen, leider gab es technische Probleme mit meinem Hexbeam und ich musste mich deshalb mit Behelfsantennen begnügen. Dieses Jahr soll nun alles besser werden, mit der Doublet (2x16m) sowie Andys R5 wollte ich zu Hause die knappen 1000 Qsos vom letzten Jahr toppen  und noch ein paar mehr drauflegen.

Ich fühle mich schon lange nicht mehr gut. Die ewige Sitzerei peinigt den alternden Rücken und darum fahre ich schon seit geraumer Zeit die eine oder andere Verbindung im Stehen. Prinzipiell eine sehr gute Idee, wenn nur das ebenfalls alternde und daher auf ausgefeilte optische Hilfsmittel angewiesene Auge im Stehen noch den Bildschirm lesen könnte… Hilfreich wäre ein Senioren-Contest-Stehpult oder gar einer dieser tollen höhenverstellbaren Schreibtische, die man uns im qrl zur Verfügung stellt. Kater Nico steht derweilen etwa abseits vom Funk-Aktivitätszentrum meines Schreibtisches und leckt in Ruhe meinen leeren Joghurtbecher aus. Was er im Moment über mich denkt möchte ich lieber nicht wissen …

nico

Mit exakt 1276 Verbindungen schliesse ich bereits um 16.:59:05 genervt das Log. Was für ein Blödsinn, was bringt einen Mann in meinem gesetzten Alter dazu sich freiwillig dieser Tortur zu unterziehen? Altersbedingt wäre doch viel eher ein gewisser Hang zum Gourmet angesagt: Qualität statt Quantität sollte meine Devise lauten. Allenfalls leichte Kurzconteste aber besser noch völliger Contestverzicht; stattdessen ein wenig Ragchewing oder gar interessante Dxpeditionskost in appetitlichen Häppchen. Das war ganz sicher mein letzter 24-Stunden-Wettbewerb.

All diese Dinge gehen mir durch den Kopf als ich müde die Treppe runterstolpere um mich ein wenig in den Garten zu setzen. Die Sonne verabschiedet sich gerade, die Vögel pfeifen mir völlig unverständlichen Zeichen, mein Tinnitus leider auch.

Die beste Ehefrau von allen kommt gerade vom Spaziergang nach Hause, bedenkt mich mit diesem mir wohlbekannten mitleidig nachsichtigem Blick und fragt ob ich denn meine gesteckten Ziele auch habe erreichen können. Ich bleibe die Antwort schuldig, erkläre aber voller Inbrunst dass das heute ganz sicher mein letzter Wettbewerb war; auch der auf diese völlig überraschende Aussage folgende Blick ist mir wohlbekannt …

Schon kurz nach Beginn des abendlichen Tatorts (er ist echt schlecht) übermannt mich die Müdigkeit und ich verabschiede mich ins Bett. Es folgt ein nahezu unterbrechungsfreier 10 ständiger Schlaf, welch ein herrlicher Luxus.

Montag, der 21. Oktober gegen 07.00h: Ausgeruht und nur noch leicht verschlafen sitze ich auf der Bettkante: Das war doch eine tolle Sache gestern. Ich bin echt stolz auf mein Ergebnis,  konnte mich ja doch deutlich steigern und es hat super Spaß gemacht. Die Contesterei hält einen eben jung, wie lange ist eigentlich noch Zeit bis zum CQ WW CW ?

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