Die Idee an sich ist ja schon etwas älter: Im November 2010 war ich  zusammen mit Mat (DL5MFL) und Sven (DF9MV) als 6V7Z in Afrika. Die beiden machten mir lange Zähne mit ihren Erzählungen über eine vorzügliche 160m-Antenne auf dem Hügel von DK0IW, der Clubstation des OV C07. Lowbands faszinieren mich; nur 3 Jahre später sollte ich diese einzigartige Antenne mal selbst benutzen dürfen: Während des CQ WW 160 CW war keine OV-Aktivität geplant, auf meine Anfrage stellte man mir die Anlage zur Benutzung während des Contests zur Verfügung. Ham-Spirit gibt es noch, an dieser Stelle einen herzlichen Dank für die erwiesene Gastfreundschaft an den Ortsverband C07!

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Ein paar historische Details zu dieser Antenne:

Der Antennenmast ist 35m hoch und diente bis 1968 der Bundesanstalt für Flugsicherung als Bake für den Bereich der zivilen Luftfahrt (NDB, non directional beacon oder auch Kreisfunkfeuer) . Om Karl Hille (DL1VU) erfuhr von der Auflassung dieser Anlage, erkannte den Wert für unser Hobby und konnte die Verhandlungen zur vertraglichen Übernahme von Grundstück, Gebäude und Antenne für den Ortsverband C07  zum 1.4.1969 erfolgreich abschliessen. Es sollte noch sieben lange Jahre dauern bis die neue Clubstation am Walmbichl in Betrieb ging.

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Freitag 16.30h: Ich parke das Funkomobil am Fuße des Hügels und es beginnt der beschwerlichste Teil meines Unternehmens, 3 Pelicases mit Funkausrüstung sowie eine Alukiste mit Wasser und Verpflegung müssen hochgeschleppt werden und zwar ohne Materialseilbahn. Sieht auf den ersten Blick harmlos aus hatte es aber durchaus in sich. Ganz spontan  fällt mir  das alte chinesische Sprichwort der Antennenbauergilde ein: „No pain, no gain“

Nicht nur in Afrika sind Pelicases sinnvoll, auch unter winterlichen Bedingungen kann man sicher sein, dass der Inhalt trocken und geschützt bleibt was immer auch passiert. Speziell die PA (Gewicht incl. Case 35 kg) hätte schweißtreibend werden können wenn ich nicht eine Alternative gefunden hätte. Den glatten Deckel nach unten, einen Zurrgurt als Zughilfe und schon konnte ich das schwere Teil wie einen Schlitten hinter mir herziehen. Zusatznutzen: Durch das Gewicht entstand quasi ein geräumter Weg, der weitere Auf/Abstiege deutlich erleichterte.

Mat kam wie verabredet gegen 18.00h, erklärte mir einige Details  der Station und sah noch ein wenig beim Aufbau meines Equipments zu bevor er sich verabschiedete.

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Kurze Zeit später bin ich dann in der Luft und sofort stellt sich ein zufriedenes Grinsen ein: Die Mühe hat sich gelohnt! Sendemässig ist die Resonanz so gut wie perfekt, Abstimmung ist nicht nötig über den gesamten Bereich des Bandes. Auch hören kann ich ganz fantastisch, fast ein wenig zu gut aber das liegt nicht an der Antenne sondern an der Menge der Stationen, die sich an diesem Wochenende auf dem Band versammelt haben um gemeinsam das Lowband-Highlight des Jahres zu feiern: Da wird’s dann durchaus auch mal ein wenig lauter.  Auch sendeseitig zeigen einige Test-Qso’s vor dem Event, dass man mich laut und deutlich aufnehmen kann. Wenn ich diese Show vermassele wird’s für mich  für mich definitiv keine Entschuldigung geben; ausser vielleicht Murphy käme zu Besuch…

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Pünktlich um 22.00h utc beginne ich den diesjährigen „Kampf der Wagen und Gesänge“, das obligatorische Gerangel um die besten Plätze kann ich von hier oben mit der nötigen Gelassenheit verfolgen; sowohl die Antenne als auch die Expert erleichtern die nervenaufreibende erste Stunde ungemein. Ich bin fast ausnahmslos „running“ mit stetigem, nicht abreissenden  Zustrom von Anrufen unterwegs und so ganz allmählich erwärmt sich auch das Shack von anfänglich 3 Grad auf angenehme 19 Grad. Der frühe Morgen vergeht wie im Flug bis mich gegen 04.30h dann doch die Müdigkeit einholt, ein langer Tag im qrl und die Hochschlepperei verlangen ihren Tribut. Pünktlich um 06.00h bin ich wieder auf dem Band und erreiche noch vor der Greyline normale Betriebstemperatur.

Samstag Morgen gegen 08.30h beende ich meine erste Schicht und schliesse die Station um nach Hause zu fahren. Geplant ist ein wenig Schlaf und ein paar häusliche Verrichtungen. Anschliessend schnell noch ein paar Stunden Bettruhe ehe es wieder in Richtung Reichersbeuern geht, meine zweite Runde beginne ich Sonntag um 03.00h früh. Mich erwarten deutlich angehobenere  Bedingungen als noch am Vortag in Richtung Amerika. Die Zeit bis zum Schichtende gegen 09.00h vergeht wie im Flug.

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Letzter Arbeitsbeginn dann Sonntag um 16.00h des, Endspurt ist angesagt. Leider fällt JA für mich mangels Beteiligung aus, dafür finden einige UA9 den Weg ins Log. Die letzten Stunden ziehen sich ein wenig aber da muß man durch. Erst gegen 22.00h beschliesse ich die Aktivität eine Stunde zu früh zu beenden; Abbau, Abtransport und Rückfahrt nach Hause wollen auch noch bewältigt werden und das QRL am Montag lässt dann auch nicht mehr lange auf sich warten.

Im Log stehen 808 Qso’s, 54 DXCC’s und 30 Provinzen, in Summe ergibt das einen Score von 339.948 Punkten. Ich bin mit dem Erreichten zufrieden, gleichwohl gibt es natürlich wie immer Verbesserungspotential für das berühmte „nächste Mal“.

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