Vor mir liegt ein Traumwochenende: Mein absoluter Lieblingscontest steht an, keine familiären Verpflichtungen und in allen Radiosendern schwelgt man ob des wunderschönen Herbstwetters mit Temperaturen bis über 20 Grad Celsius. Eigentlich hätte ich zu diesem Zeitpunkt bereits misstrauisch werden sollen … Das Funkomobil war schon bepackt mit all den Dingen, die man für eine Contestteilnahme benötigt, zum Einsatz sollte eine Butternut HF-2 mit einem entsprechenden Radialnetz kommen. Für die Highbands wollte ich den für 7P beschafften Hexbeam verwenden, ein erster Probeaufbau im heimischen Garten war zufriedenstellend verlaufen. Ein weiteres Novum: Um mich ein wenig auf 7P8D vorzubereiten loggte ich mit N1MM, da wir dieses Programm auch in Afrika verwenden werden.

Abfahrt in Richtung des geplanten Standorts, mit einem Bauern im Dachauer Hinterland hatte ich letzte Woche vereinbart, dass ich seine Wiese für die Funkerei nutzen dürfe. Gut gelaunt erreichte ich die Ausfahrt Adelzhausen, im Kreisverkehr dann ein Schild  dass die Durchfahrt Richtung Altomünster wegen Vollsperrung leider nicht möglich sei, Umleitung über Aichach. Auch hier hätte ich Verdacht schöpfen können zumal da doch jemand mit einem großen Hammer noch in der Nähe des Schilds aufhielt; hätte ich ihn mit seinem eigenen Werkzeug attackiert wäre vielleicht vieles anders verlaufen aber so begann allmählich das Unheil, das mich die letzten Male immer verschont hatte.

Eine gute Stunde später rolle ich auf meine Funkwiese. Die Umleitung hatte sich zeitlich „etwas“ in die Länge gezogen, Schilder gab es natürlich auch keine (oder sollte ich die im dichten Nebel übersehen haben) und über ein Navi verfügt das Funkomobil nicht. Der Aufbau begann mit etwa einer Stunde Verspätung: Erst den Honda, möglichst gleich in Betrieb nehmen sonst finde ich ihn vielleicht im Nebel nicht mehr. Danach die Butternuss, soweit keine Probleme. Auch die Abstimmung war dank Analyzer schnell erledigt. Ich hatte 12 Radiale a 20m ausgelegt, die klitschnasse Wiese tat wohl das übrige dazu. Gut dass ich Gummistiefel eingepackt hatte.

Den 10m-Alumast (zunächst ohne Traglast) im Stativ hochschieben  und in 2 Ebenen abspannen. Danach wieder runter, den Hex auf die Spitze gesetzt und hoch mit dem Teil. Der Nebel hatte sich endlich verzogen, die Sonne schien und es wehte ein leichter Wind. Zusammen mit 14 kg(!) Antennengewicht hatte ich offenbar mein persönliches Limit überschritten, ich brachte das Teil einfach nicht komplett hoch. Schlimmer noch, eine Stativstange verbog sich und ich brachte den Mast mit Müh und Not wieder runter. Das Stativrohr demontiert, ausgerichtet und alles wieder zusammengeschraubt, Abspannungen neu ausgerichtet, allmählich kam mein Terminplan ins Wanken und gegessen hatte ich auch noch nicht. Ich wagte einen zweiten Versuch, das sollte sich als ein großer Fehler herausstellen. Um 15.30h gleiches Resultat, Stativ nunmehr völlig verbogen, Antenne halbwegs kontrolliert abgestürzt, DJ3CQ, fix und fertig, mangels Mittagessen völlig unterzuckert und ausgepowert.

Enttäuscht und niedergeschlagen machte ich erst mal Brotzeit, hatte aber immerhin netten Besuch von jemandem der mir erst mal Teile meiner Brotzeit raubte um mich, quasi zum Dank für die guten Wiener, durch sein Schnurren wieder etwas aufzumuntern versuchte. Mittlerweile war auch die Sonne da und tat ihr Möglichstes um mich ein wenig aufzuheitern was dann schlussendlich auch gelang: Aufgegeben wird nicht, ein Plan B muß her und zwar flott.

Einer Eingebung folgende hatte ich am Morgen noch das Papprohr mit den Mobilantennen in das rollende Shack geschmissen, sie sollten sich als Rettungsanker herausstellen. Die Diamond-Monobander (Länge um die 2,20m) für 10/15/20 waren die einzige Möglichkeit doch noch teilnehmen zu können.

Pünktlich um 17.00h ging’s dann auch los und die Aktivität auf den Bändern liessen den Ärger über das Mißgeschick schnell vergessen. Später sollte sich herausstellen dass der eine oder andere Multi schlicht fehlte aber in Summe lief es dann doch besser als ich erwarten konnte. Als echten Nachteil habe ich den Antennenwechsel empfunden, der mit jedem BAndwechsel auf den Highbands einherging. Nur mal schnell geht nicht, das war echt doof. Die Nacht war kalt und ich war durch den heftigen Aufbau doch ein wenig angeschlagen, zwei Schlafpausen a 2 Stunden habe ich mir gegönnt nachdem die Butternut sowohl auf 40 als auch auf 80 erfreulich gut abstrahlte.

Der Sonntag blieb dann komplett neblig, die Sonne liess sich ganztägig nicht blicken. Der Vormittag verging durch zahlreiche gute runs auf 80 und vor allem 40 wie im Flug. Ich hatte zusätzlich noch Besuch von Wanderern, die sich erklären liessn was ich denn da so treibe und warum ich denn bei der Kälte nicht im Auto koche. ie Zeit für einen kleinen Plausch mit Erklärungen zum Hobby habe ich mir einfach genommen.

Und so sah dann das Ergebnis nach 20 Stunden Betrieb aus:

Band    QSOs    Pts  DXC

3,5     268     628   38

3,5       1      1    0

7     330     872   38

7      43     103    3

14     142     464   33

21     130     456   29

28      70     246   17

28      11      31    2

Total     995   qso’s mit  160 Multis, runde 448.000 Punkte

Ausserdem fällt den geneigten Lesern, die bis hierher durchgehalten haben auf, dass sich da doch tatsächlich 55 SSB-Qso’s eingeschlichen haben. Kein Irrtum, ich hab  mich einfach mal in dieser Betriebsart versucht nachdem böse Zungen sogar behauptet hatten ich sei zu doof zum Brüllfunken. Mein Lehrmeister Mat wäre stolz auf mich gewesen, ich habe ihn übrigens sogar auf 40m gehört, leider jedoch nicht gearbeitet. Betriebstechnisch war das alles sehr ungewohnt aber schon machbar. Ich denke aber es wird  bei diesem einmaligen Versuch bleiben, ist nicht so mein Ding.

Der Abbau verlief unspektakulär in einer knappen Stunde und gegen 19.00h war ich dann auch wieder daheim. Trotz allen Pannen wieder mal ein schöner WAG, auf Wiedersehen bis zum nächsten Jahr.

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