Die Anreise selbst verlief  dann weitestgehend stressfrei: Der Flieger verliess München trotz Nebel mit nur wenig Verspätung und landete pünktlich in Kopenhagen. Dort stand auch schon der Mietwagen bereit, man hatte mir einen Astra Kombi überlassen was den Vorteil hatte zur Not auch einen halbwegs komfortablen Schlafplatz zur Verfügung zu haben.

Welcome @ OZ5E

Ich traf gegen 16.30h mit Einbruch der Dunkelheit an der Station ein, wurde vom bereits  komplett anwesenden Team mit großem Hallo empfangen:

  • OZ1FJB, Lasse (ehemaliger Navy-sparks, hat den Code schon mit der Muttermilch verabreicht bekommen 😉   )
  • OZ1IKY, Kenneth (zuletzt aktiv als 3D2DX)
  • OZ1ETA, Nils Bo, (Whitesticker und Contestkoch, sein Gulasch und sein Curryfleisch waren einfach  spitze)
  • OZ7AM, Alex (unser Junior, 2009 cq ww cw in der 6Y1V-Crew)
  • OZ2BRN, Brian (war meine Ablösung an #3, kein Mast ist ihm zu hoch egal wie der Wind pfeift)
  • OZ1ADL, Jan (vielen Dank an ihn und auch an Andrew für die Überlassung dieser tollen Station)

Die Jungs waren mit den Vorbereitungen schon so gut wie fertig, mir blieb nur noch der  Aufbau von #3, bestehend aus K3 und Brians Acom 1010. Nachdem ich den Bulgarentraktor ja auch zu Hause verwende war das schnell erledigt.

Eine kurze Durchsprache der Ausbreitungsbedingungen und unserer Taktik folgte dann kurz vor Beginn: „Running, running, running; Nachts auf 40 / 80 / 160, tagsüber dann 10 / 15 / 20, um die Multis kümmern wir uns dann später…“. Der von Kenneth aufgestellte Schichtplan sah ein Arbeiten im 4-Stundenrhythmus vor.

unser Schichtplan

Und dann wars auch schon soweit, ich begann an #3 auf 160m, leider hatten wir Ärger mit der Beverage in Richtung W, die wegen des stark auffrischenden Windes ein ums andere Mal umfiel aber das war zu verschmerzen. Verglichen mit heimischen Bedingungen war der Rauschpegel sensationell niedrig und so machte das Topband richtig Spaß. Ich übergab nach 4 Stunden an die Nachfolgeschicht mit 360 QSO’s im Log, nahm noch einen Schlummertrunk und verzog mich dann auf meine Matratze im Gästeappartment,  endlich schlafen.

DJ3CQ @ Trx#3

Der Samstag verging im 4 Stundenrhythmus, der Ablauf äußerst angenehm und stressfrei, Schlafen – Frühstück – 4 Stunden schön funken – ein wenig essen – wieder schlafen… Jeder im Team war darauf bedacht den anderen zu unterstützen wo es nur ging.  Nils Bo kochte ein vorzügliches Contestgulasch in der kleinen Pantry, in den härteren Nachtstunden gab’s auch mal einen Klaps auf die Schulter und einen Becher heissen Kaffee, es war fast gemütlich. Eine Besonderheit bei OZ5E sind die Glocken; an jeder Station steht eine aus dem Hotelgewerbe bekannte Glöcke, die von jedem betätigt wird, der einen neuen Multi an Land gezogen hat. „Keep the baby ringing… „. Bei besonders seltenen Vögeln gibts dann auch spontanen Applaus oder gar „standing ovations“.  Eine nette Sache, sorgt für Abwechslung und Unterhaltung und hält auch noch wach…

Zunehmend Sorge bereitete uns allerdings der stetig stärker werdende Wind aus Südwest. Längst waren der 40er- und der 20er-Beam mit Rotorkraft nicht mehr zuverlässig drehbar und wir hatten an den Booms dieser beiden Antennen Seile angebracht um dem Rotor zu helfen bzw. auch um die Antennen in einer bestimmten Richtung festzubinden und damit die Rotorgetriebe zu entlasten. Aus dem Starkwind entstand dann auch allmählich der erwartete Sturm. Alle Tower wurden mit zusätzlichen Abspannungen versehen und er 80er-Beam blieb am Boden, das Risiko eines Umfallers war uns einfach zu groß.

3-Ele für 40m, darüber 5-Ele für 20m

Am Sonntag Morgen hatte sich der örtliche TV-Sender angekündigt um einen kleinen Clip für die Nachrichten aufzuzeichnen. Die TV-Crew erzählte uns dass ein weiteres TV-Team beim Versuch 20 Meter hohe Wellen an der Steilküste aufzunehmen verunglückt sei und seither vermisst werde.  Ausserdem hätte es auf der Beltbrücke mehrere Unfälle gegeben und die Brücke sei im Moment für den kompletten Verkehr gesperrt. Der Gedanke daran, dass ich Montag frühmorgens genau da drüber musste um Kopenhagen und damit meinen Flieger zu erreichen kam mir in diesem Moment gar nicht 😉

Hier der Clip, nicht ganz einfach zu finden wenn man nicht dänisch spricht. Geht mal bei „Ostjylland i dag“ auf Vollbild und dann auf 1:04, da geht’S dann gleich los:

http://www.tv2oj.dk/arkiv/2011/11/27?video_id=23786&autoplay=1

Nachmittags dann, während einer kurzen Pause zur Abspannungskontrolle der Masten Stromausfall, OZ5E war stumm. Zwar gab es bereits 20 Minuten später wieder Strom aber es hatte uns trotzdem heftig erwischt. Der PC mit der zentralen Ablaufsteuerung für Rig  # 1 & #2  kam n icht wieder hoch, ausserdem gab es Probleme mit den Interfaces zu den FT-1000. Aus unserer stolzen M/M-Aktion war plötzlich eine One-Man-Show geworden. Während ich mit Rig #3 auf dem letzten uns verbliebenen Band den Betrieb wieder aufnahm verkabelte der Rest der Crew auf Handverkabelung um. Zum Einsatz kam ein weiterer K3 sowie ein K2, beide hatten eine Acom 2000 zur Verfügung, die Antennenumschaltung hatte zu Fuß zu erfolgen.

Die Stimmung besserte sich so allmählich wieder und die Raten stiegen langsam. , Wir hatten zwar zwei wichtige Stunden verloren aber was soll’s: Den dänische M/M-Rekord (OZ5W mit 7.127.278 Punkten im Jahre 1999) hatten wir trotz der widrigen Umstände locker geknackt und das Ergebnis konnte sich sehen lassen:

Contest         : CQ World Wide DX Contest
Callsign        : OZ5E
Mode            : CW
Category        : Multi Operator – Multi Transmitter (MM)
Overlay         : —
Band(s)         : All bands (AB)
Class           : High Power (HP)
Zone/State/…  : 14
Locator         :
Operating time  : 46h04

BAND   QSO  CQ DXC DUP  POINTS   AVG
————————————–
160   868  16  62  10    1040  1.20
80  1891  26  87  18    2861  1.51

40  2027  35 108  16    3671  1.81
20  1428  32 102  11    2747  1.92
15  1218  34 118   5    2371  1.95
10   892  34 115  11    1709  1.92
————————————–
TOTAL  8324 177 592  71   14399  1.73
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TOTAL SCORE : 11 072 831

Montag Morgen um 05:00h, das Team schlief noch tief und fest, schlich ich mich leise aus dem Shack und machte mich auf den langen Heimweg. Der Sturm war weitestgehend abgeflaut, die Brücke (übrigens die 3t größte Hängebrücke der Welt) wieder befahrbar und so erreichte ich das heimatliche Bayern müde aber glücklich. Wie sagte Nils Bo bereits vor dem Contest: „We’ll have a hell of fun!!!“. Er hatte Recht behalten, Dänen lügen eben tatsächlich nicht.

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