Ab dem Erreichen eines bestimmten Lebensalters beginnen Kuren an Wichtigkeit zu gewinnen; bei mir war es Ende April 2010 soweit: Das qrl hatte mir eine Kreislaufkur im fränkischen Bad Steben angeboten und solche Angebote sollte „Mann über 50“ natürlich tunlichst wahrnehmen.

Ein Blick in den Kalender zeigte mir allerdings, dass ich den am ersten Maiwochenende stattfindenden VHF-Contest damit wohl abschreiben konnte, jetzt war kreatives Denken angesagt. Dank vorhandenem Womo und dem Honda EU-20 wäre eine portable Aktion denkbar; ich startete deshalb eine Mailaktion (…wer kennt einen brauchbaren Standort in der Nähe von Bad Steben…) und kam so mit Reinhold (DL6NAA), dem „Chef“  von DL0AR in Kontakt. Sofort zeigte sich was echten Hamspirit ausmacht: Reinhold bot mir ohne mich überhaupt persönlich zu kennen die komplette Station am Ahornberg für den Contest an. Er meinte lediglich dass evtl 70cm doch die bessere Wahl wäre und sprach von der Gefahr eines möglichen Hörsturzes; wir werden auf diesen Punkt später noch zurückkommen.

Am Contestwochenende stand ich pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt auf der Matte am Gipfel des Ahornbergs und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Eine traumhafte Lage für VHF/UHF, beeindruckende Antennenanlagen und ein Shack, das wirklich einmalig ist. Technik vom Allerfeinsten, größtenteils selbstgebaut und perfekt auf Contestbelange zugeschnitten.

Ahornberg

Wir kamen nach kurzer Diskussion überein dass ich mein eigenes Equipment (K3 – Transverter – PA), aufgebaut auf einem Laborwagen, ganz einfach an die vorhandenen Antennen (2×10 Ele. auf etwa 12m Höhe) ankopple und so den Contest mit mir vertrauter Ausrüstung durchziehen konnte. Der Aufbau klappte absolut stressfrei, es blieb noch Zeit für einen ausgiebigen Ratsch bevor es dann pünktlich um 1500  losging.

„Die hohe Anzahl von aktiven Conteststationen sorgt für die bekannten Probleme“ schrieb mir Reinhold in der Planungsphase dieser Aktion. Jetzt erlebte ich mit eigenen Ohren was das bedeutet: Die Kombination aus K3 und DB6NT-Transverter bürgen an sich ja schon für eine gewisse Empfangsqualität, trotzdem waren die Verhältnisse auf dem Band streckenweise  einfach brutal: Ultrabreite Signale und starkes Splattern, dazu eine erhebliche Rauschglocke sorgten für stark erschwerte Bedingungen. Teilweise waren SSB-Splatter bis in den CW-Bereich zu hören und erschwerten die Aufnahme der leisen Signale erheblich. Ich gönnte mir lediglich 4 Stunden Schlaf zwischen 0200 und 0500 um zumindest den frühen Morgen für leise Signale zu nutzen was dann grösstenteils auch funktionierte. UKW-typisch ging es noch etwas gemächlicher zu, es gelangen speziell in cw einige schöne Verbindungen und erst allmählich begann sich das sonntägliche Chaos zu entfalten. Gegen 1300  hatte ich dann endgültig fertig, in den Ohren tobte der von Reinhold angekündigte Tinitus und mit meiner  Konzentration war es auch nicht mehr weit her. Ich baute ab und fuhr zurück in mein Kurhotel, die dort vorhandenen Wellnesseinrichtungen halfen auch bei akuter Contestschädigung zuverlässig 😉

Habe fertig ...

Herausgekommen ist übrigens der Platz 25 mit:

  • 80.000 Punkten
  • 294 QSO’s
  • Einem odx von 919 km

und die Erkenntnis, dass 70cm-Betrieb vielleicht doch der bessere und angenehmere Weg gewesen wäre. Wie auch immer, es war eine tolle Erfahrung und ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei Reinhold, dem guten Geist des Ahornbergs, für die Gastfreundschaft und die spontane Unterstützung  meiner Aktion bedanken. „Hamspirit is still alive“

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